Kultur

Freier Tanz im Delta Zweiter Abend mit starken Auftritten

Politische Untertöne unüberhörbar

Viele der von Theaterleiter Sascha Koal geschickt angeordneten, sehr unterschiedlichen Choreografien, sind zum ersten Mal zu sehen. Max Levys Solo „Silent Bell“ zu einem deutschen Kunstlied von Richard Strauss eröffnet den Tanzabend bedächtig, fast meditativ. Der Tänzer grätscht und streckt sich, schlägt, in Erwartung erlösender Entspannung, in der Luft scheinbar auf ein buddhistisches Glöckchen und wird vom Wechsel zum kalten Scheinwerferlicht abgestraft.

Eine Prise Rap- und Latin-Musik

Genauso wenig wie der ehemals am Staatsballett Nürnberg tätige Levy können die beiden Tänzerinnen Jacqueline Esser und Rebecca Häusler in dem leider etwas strukturarmen Stück „In between the attempts to attempt“ ihre Mitte finden. Zu den Microsounds von Alva Noto+Opiate wirken ihre Bewegungen bewusst abgehackt, wie von steifen Puppen ausgeführt. Erst als die synthetisch-sterile Musik zur weniger dringlichen Pianomusik am präparierten Klavier von Hauschka wechselt, bewegt sich das Duo synchron. Dann wirken seine rührenden Bewegungen flüssig und raumgreifend.

Die Premiere „Liebe zum Tanz“ des international prämierten Mannheimer Locking-Tänzers David Kwiek beendet den ersten Teil des Abends. Coolman „Mr Quick“ und seine Partnerin Jo Dance bewegen sich im für diese Breakdance-Art typischen „Comical Style“ gekonnt witzig und mischen heiter, fast ironisch, eine anregende Prise Latino- Rap dazu. Das Duo entlässt ein gelöstes Publikum in die Pause.

Heftig beklatscht wird das sehr stringent vom ehemaligen Tänzer des Nationalheaters (NTM) Rafael Valdivieso durchchoreografierte Tanzstück „The three monkeys“ zu den treibenden Rhythmen von Ravi Shankar und Philip Glass. Maya Busse, Jilian Rose und Josipa Scheiring drehen ihre Pirouetten leicht und sprungsicher. Immer wieder hebeln sie sich mit ihren Armen und Beinen selbst aus, hinein in die Positionen der drei Affen. Ihre kleinen repetitiven Schläge auf Augen, Ohren und Mund wirken quälend zwanghaft.

Liebeslied am Folterstuhl

Danach erntet das ehemalige NTM- Ensemblemitglied Veronika Kornova-Cardizzaro mit dem feministischen Tanzstück „Warrior“ ebenso viel Applaus. Am suggestivsten arbeitet der israelische, in Berlin ansässige Choreograf Yaron Shamir, der sein Solostück „Dream.F.H.“ auch selbst tanzt. Ein langsam im Bühnennebel zutage tretender Folterstuhl und Shamirs Spiel mit daran installierten Lämpchen sowie seine bemühten, Flügelschlagen imitierenden Bewegungen stehen in beklemmendem Gegensatz zu einem sehnsuchtsvollen Liebeslied von Yasmin Levy. Am Rande von traumwandlerischem Wahnsinn tanzt Shamir eine dünne Linie zwischen Fühlen und Leere. sta