Kultur

Musiktheater „Rienzi“ aus Kaiserslautern im Pfalzbau

Populisten gab’s in Rom schon früher

Archivartikel

Der Patronengurt spannt über seinem Rotwein-Bauch – so müsste es in etwa aussehen, wenn Che Guevara alt und feist geworden wäre. Doch der Freiheitsheld, den wir im Ludwigshafener Pfalzbau sehen, stammt laut Richard Wagners Operntextbuch (und historischen Belegen) aus dem späten Mittelalter. Es war eine Zeit des Niedergangs für Rom, das heutige Italien lässt schön grüßen. Und Rienzi war der Führer, der die alte Stadt am Tiber „Great Again“ zu machen trachtete. Es ist die Story eines Populisten, der als „Letzter der Tribunen“ gelten wollte, aber weltweit immer wieder Nachfolger gefunden hat.

Die Aktualität des Stoffes quillt aus jeder Szene. Doch Johannes Reitmeier meidet in seiner neuen Inszenierung für das Pfalztheater Kaiserslautern allzu schlichte Parallelen. Auch das Nazi-Umfeld, in das diese Oper in den 1930ern geraten ist, umschifft er – Wagner konnte bei „Rienzi“ vielleicht wirklich nichts dafür, dass Hitler ihn gemocht hat. Thomas Dörflers Bühnenbild legt sich genauso wenig fest, wir sehen Aufmarschtreppen und brutalo- (oder neo-) klassizistische Fassaden, die das Altertum genauso wie das Mittelalter und die Neuzeit widerspiegeln könnten. Kontinuitäten gibt es ja: etwa die Kirche, die schon immer manche Kriege segnete. Und der korrupte Stadtadel erinnert durchaus an die Cosa Nostra, jedenfalls bei Reitmeier. Rom 1350 oder doch Chicago 1930?

Ein Bad in Widersprüchen

Immerhin: Beliebig wird die Sache trotzdem nicht. Sondern ein schillerndes Spektakel. Nur die Stimme von Ricardo Tamura, dem Rienzi-Sänger, hat einen gewissen Grauschleier. Sein Gegenspieler Steffano Colonna zeigt bei Wieland Satter umso dunklere Entschlossenheit. Dessen Sohn Adriano – Wagner hat ihm eine Frauenstimme zugeordnet – badet dafür regelrecht in seinen Widersprüchen, wenn Jennifer Maines ihn singt. Noch gegensätzlicher und suggestiver tritt der Chor auf, der beim Pfalzbau-Gastspiel das Orchester unter Uwe Sandner sogar übertrifft. Denn schließlich ist es Volkes Stimme, die die Populisten steigen lässt. Und stürzen.