Kultur

Mozartfest Traditionelles Bruckner-Konzert

Prachtvolle Wiedergabe

Archivartikel

Wie in einer Prozession pilgerten die Konzertbesucher in langen Reihen in den Kiliansdom, wo im Rahmen des Mozartfestes das traditionelle Bruckner-Konzert veranstaltet wurde. Die Bamberger Symphoniker unter ihrem neuen aus Tschechien stammenden Dirigenten Jakub Hrusa brachten Anton Bruckners populärste Sinfonie Nr.4 Es-Dur „Romantische“ zur Aufführung.

Deren ursprüngliche Satzüberschriften „Waldesrauschen“, „Vogelgesang“, “Jagdscherzo“ und „Volksfest“ weisen auf Naturvorstellungen hin. Auf das Programm des „Volksfest-Finales“ angesprochen, meinte Bruckner in seiner lakonischen Art: „Ja, da woaß i selber nimmer, was i mir dabei denkt hab“.

Es wäre aber falsch, ein Naturgemälde mit Musik im Sinne einer Programm-Musik à la Wagner oder Liszt daraus abzuleiten. Das Orchester Bruckners-von seinen Erfahrungen als Organist beeinflusst- klingt in der Verwendung von kontrapunktischer Kunst und streng gegeneinander abgesetzter Streicher-, Holzbläser und Blechbläserguppen eher barock als wagnerisch.

„Absolute“ Musik

Denn Bruckner war Schöpfer einer „absoluten“ Musik, die sich ihre Formen und Gehalte unabhängig von außermusikalischen Inhalten aus sich selbst heraus schaffte. Der Dirigent fächerte das instrumentale Netzwerk filigran auf, bezog sich auf die kammermusikalische Durchhörbarkeit des riesigen Orchesterapparates, um andererseits wieder jerichohaft die schmetternden Hörner und Posaunen ertönen zu lassen. Mit Sorgfalt und feinen Nuancen im Adagio und bei bombastischen Höhepunkten der Musik führte er seine Zuhörer im vollbesetzten Dom durch die Großartigkeiten und auch Klippen der Partitur. Jakub Hrusa unterstrich wirkungsvoll die Glanzpunkte unter verhältnismäßig statischen Ostinati. Ständige Themen-und Tempowechsel, sowie die Übergänge aus den Pausen heraus blieben im Lot, sodass die Architektur der Komposition nicht zu einer musikalischen Ruine zerfiel. Auch die Wechselbeziehungen zwischen den leisen weihevollen Themenabschnitten und den mächtig den Raum füllenden Tutti-Passagen blieben bei dieser prachtvollen Wiedergabe im Gleichgewicht. Intonationsrein spielten die Blechbläser die ihnen zugeordneten Stellen, präzise gefielen die Pizzikatofolgen und intonationsrein im Unisono die entsprechenden Streicherbewegungen. Die Ruhe, wie dieser erste Satz sich entwickelt, und die Hornrufe stehen solchem Eindruck nicht fern.

Das Scherzo mit seinen schmetternden Hornrufen erlaubt wohl eine Interpretation im Sinne eines Programms, denn über dem Trio-Mittelteil und seinem anmutigen, gar nicht derben Ländlerstil vermerkte Bruckner in der Partitur: „Tanzweise während der Mahlzeit auf der Jagd“. Wie ein Gebet als Dank für den Schöpfer dieser wunderbaren romantischen Welt erklang das Adagio. Gerade auch dort gefielen die mit seidigem Glanz musizierenden Streicher, die bei der Wucht der triumphal einfallenden Blechbläser die verinnerlichten Stationen der Sinfonie nicht etwa nebenher zur Geltung brachten. Pompös triumphierende Schlussgesten und Klänge auf hohem Orchesterniveau, sodann die bald intensiv und bald sensibel ausgehorchten Schönheiten dieser Musik führten zu einem erhebenden und würdevollen Konzerterlebnis. Zu Beginn spielte Christoph Eß Olivier Messiaens „Appel interstellaire“ für Horn solo aus: „Des Canyons aux Etoiles“, inspiriert durch einsame Wanderungen durch die Canyons.

Der Hornist führte beeindruckend vor, welche klanglichen Raffinessen aus diesem Instrument herauszubringen sind. Langer enthusiastischer Beifall.