Kultur

Musiktheater Verdi-Arien im Mannheimer Rosengarten

Prätentiöser Abend

Archivartikel

Sie touren durch viele Städte, sie treten in großen Sälen auf, sie ziehen jeden Abend viele Hunderte Zuhörer an. Nun haben die Sänger und Musiker der „Großen Verdi-Nacht“ wieder einmal im Mannheimer Rosengarten einen Stopp eingelegt. Der Musensaal ist eine würdige Stätte für einen solch prätentiös erscheinenden Abend. Die berühmten Opern-Arien des Giuseppe Verdi passen zu dem historisierten Ambiente.

Eine Nummer nach der anderen: Von der „Nabucco“-Ouvertüre über „Aida“ und „Macbeth“ zur Sizilianischen Vesper. Im Baukastensystem setzen Orchester, Chor und fünf Solisten das etwas angestrengt wirkende Bühnenprogramm Arie für Arie zusammen. Leitfigur ist der lyrische Tenor Cristian Lanza, der besonders zum Finale mit dem Rigoletto-Schlager „La donna è mobile“ und dem neapolitanischen Folklore-Evergreen „Funiculì, Funiculà“ Beifall einsammelt. Seine Stimme wirkt schlank, wird leider in den Höhen etwas dünn. Seine Koloraturen sind sauber intoniert, insgesamt jedoch eindimensional gestaltet.

Statische Beleuchtung

Größeren Anteil haben Sopranistin Silvia Rampazzo und Bariton Giulio Boschetti, die beide über internationale Erfahrung verfügen. Rampazzo, die mit dem „Troubadour“ bereits 1997 debütierte, zeigt sich als Leonora in der Arie „Tacea la notte“ Verdis dramatischer Tonsprache gewachsen, besonders im a cappella gesungenen zweiten Teil: Vom zarten pianissimo moduliert sie in unangestrengtem Bogen zur aufwühlenden Schlusskadenz.

Durchaus ein Genuss: ein Kompliment, das auch Giulio Boschetti gilt. Seine leidenschaftliche Interpretation des verzweifelt liebenden Vaters im „Cortigiani, vil razza dannata“ würde freilich noch mehr beeindrucken, wenn Dirigent Marcin Wolniewski die Streicher etwas zupackender führte. Fraglich, warum die Beleuchtung über zwei Stunden statisch bleibt und die vordere Bühne nicht voll erfasst; Mimik und damit Emotionalität der Solisten können dadurch teilweise nur erahnt werden. Zudem entfaltet so das mit einem fantasievoll mitspielenden Chor inszenierte Bühnengeschehen nicht seine volle Wirkung. fri

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