Kultur

Pressburgers Erinnerung

Archivartikel

Als im November 2016 im österreichischen Bundespräsidentenwahlkamp die Rhetorik der Extreme Wellen schlug, stand eine damals 89-jährige jüdische Holocaust-Überlebende alarmiert dagegen auf: Gertrude Pressburger, von Auschwitz anhaltend gezeichnet, wurde mit ihrer Videobotschaft, die auf Facebook 3,7 Millionen User vor den FPÖ-Parolen warnte und zur Wahl des grünen Kandidaten aufgerufen hatte, über Nacht bekannt.

Jetzt hat sie, von der Journalistin Marlene Groihofer behutsam unterstützt, ihre Erinnerungen vorgelegt. „Gelebt – erlebt – überlebt“ nennt sie ihr ungemein präzises Buch. Es schildert eindringlich die wechselnden Exilstationen der Familie in Jugoslawien und Italien, schließlich die Hölle Auschwitz, die allein Gertrude überlebt. Nach der Befreiung kommt sie über Dänemark nach Schweden, kehrt indessen bald nach Wien zurück, das sie für lange Zeit als „Feindesland“ empfindet. Ihre kämpferische Videobotschaft redet ebenso wie ihre Autobiografie den Nachgeborenen so engagiert wie glühend ins Gewissen. Eine überaus bewegende Lektüre. dss

„Gelebt – erlebt – überlebt“. Aufgezeichnet v. M. Groihofer. Zsolnay. 205 S., 19 Euro.