Kultur

Schauspiel Sebastian Nübling inszeniert Heiner Müllers „Herzstück“ am Berliner Maxim Gorki Theater / Extrem kurzer Text wird mit Wiederholungen erweitert

Prinzip Endlosschleife auf einer Bühne

Archivartikel

Ein kurzes Stück. Heiner Müllers „Herzstück“ umfasst 14 Zeilen: Eine anonyme „Eins“ fragt eine anonyme „Zwei“: „Darf ich Ihnen mein Herz zu Füßen legen“? Na klar, aber nur „wenn Sie mir meinen Fußboden nicht schmutzig machen.“ Weil das Herz aber so leicht nicht aus der Brust kullert, wird es mit einem Taschenmesser herausoperiert. Doch dann die Überraschung: „Ihr Herz ist ein Ziegelstein“! Nicht so schlimm, denn „es schlägt nur für Sie“.

Gespannt war man, was Regisseur Sebastian Nübling, der seit Jahren erfolgreich zwischen Stuttgart und Basel, Zürich und München pendelt, mit Müllers Theater-Petitesse am Berliner Maxim Gorki Theater anstellen würde: Vielleicht zerlegen und mit Fremdtexten neu auffüllen? Oder würde er das Publikum nach einer Minute, so lange dauert das Vorlesen des Textes, frustriert wieder nach Hause schicken?

Nübling lässt sieben Clowns mit roter Pappnase auf die leere Bühne kommen und beobachtet sie dabei, wie sie zu meckernden Arbeitsverweigerern werden. Warum sie bloß diesen blöden ollen Müller aufführen sollen, fragen sich die sieben Clowns, bauen genervt Requisiten auf, die krachend in sich zusammenfallen, versuchen vergeblich, Vorhänge und Scheinwerfer zu installieren. Natürlich gelingt nichts.

Blödeleien werden schal

Auch dass sie ständig für eine haarsträubend geringe Gage witzeln und tanzen müssen und am besten alles über die Bedeutung von Müller und seinem „Herzstück“ wissen sollen, geht ihnen auf den Keks. Sich dem Prinzip Endlosschleife zu verschreiben, sich dem Leistungsdruck und den Erwartungen der Zuschauer zu verweigern und die Widerständigkeit der Kunst zu demonstrieren ist allerdings auch nicht gerade neu. Nach zehn Minuten hat man kapiert, dass Heiner Müllers „Herzstück“ nur die Folie ist für einen Radikalabgesang auf die Zumutungen des Kapitalismus und die Affirmationen der Kunst. Die Blödeleien werden schal und die Witze dürftig. Doch das Premierenpublikum fand die 70 Theaterminuten großartig und applaudierte wie Bolle.

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