Kultur

Theater Heilbronn „Unterwerfung“ nach Michel Houllebecq feiert am 20. Januar Premiere

Provokantes und vergnügliches Gedankenspiel

Der Untergang des Abendlandes wurde immer wieder heraufbeschworen. Aber selten wurde mit so einem sezierenden, genussvoll-ironischen Blick auf unsere hoch entwickelte westeuropäische Gesellschaft geschaut, die am Scheideweg, wenn nicht gar am Abgrund zu stehen scheint, wie in Michel Houellebecqs Roman „Unterwerfung“.

Auf politisch legale Weise unterwirft sich das Nachbarland Frankreich darin der Herrschaft einer muslimischen Partei, die das Land auf friedlichem Wege von einem laizistischen, aufgeklärten Staat in ein patriarchal geprägtes, islamisches Land verwandelt. Der Roman ist ein Meisterwerk der subversiven Provokation, der nach seinem Erscheinen am 7. Januar 2015 (am Tag des Anschlags auf Charlie Hebdo) die Bestsellerlisten anführte, monatelang die Diskussion beherrschte und mit vielen widersprüchlichen Etiketten versehen wurde.

Durch seine Präsenz auf den Bühnen in Deutschland, die der Aktualität des Themas geschuldet ist, bleibt der Stoff weiter in der Diskussion. Jetzt kommt „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq in einer Theaterfassung von Intendant und Regisseur Axel Vornam auf die Große Bühne des Theaters Heilbronn. Premiere ist am 20. Januar. „Der Text“, so Vornam, „redet keiner politischen Richtung nach dem Maul. Vielmehr liefert er die radikale, satirisch zugespitzte Diagnose einer Zeit, in der unsere immer gern als alternativlos beschriebene Gesellschaft mit all ihren Werten einfach implodiert.“

Houllebecq stellt mit „Unterwerfung“ ein hochvergnügliches Gedankenexperiment zur Diskussion: Was passiert mit der Gesellschaft, wenn die westlich-demokratische Grundkonstitution weiter so rasant erodiert? Wohin driftet Europa, wenn immer stärker rechtsnationale Bewegungen die Regierung stellen? In dem Gedankenspiel geht es weniger um die diffusen Ängste und Vorurteile gegenüber dem Islam, als vielmehr um das Scheitern der linksliberalen intellektuellen Eliten in Europa. Die Krise liegt in deren Ausstieg aus der sozialen Verantwortung und in der Verweigerung eines Diskurses um eine gesellschaftliche Utopie für das 21. Jahrhundert zu entwickeln. Furcht- und kompromisslos und unter völligem Verzicht auf politische Korrektheit zieht Houellebecq aus der Beschreibung dieser Lage seine Schlussfolgerungen.