Kultur

Imaginale Raum 305 begeistert in Alter Feuerwache

Puppenspiel gepaart mit Akrobatik

Wie von Geisterhand gezogen, rollt eine kleine Treppe über die leere Bühne der Mannheimer Alten Feuerwache. Knisternd öffnet sich eine Luke und heraus winden sich zwei Körper, die im synchronen Tanz der Glieder, Muskeln und Leiber zu erstaunlichen Formen verschmelzen. Auf der Treppe und am luftigen Trapez erzählen Akrobatikkünstler Moritz Haase und Puppenspieler Jarnoth auf zutiefst beeindruckende Weise vom Schicksal zweier unzertrennlich scheinender Körper.

„Wir wollen niemals auseinandergehen“ verraten sie mit der Einspielung des alten Heidi-Brühl-Schlagers und zeigen sich im ausgelassenen Tanz einig. Doch die vielfach schmerzhaften hämmernden Geräusche, die den Rhythmus der sich windenden Körper bestimmen, suggerieren Ängste und eine Disharmonie, die nicht zuletzt von einem kleinen dazukommenden Wesen ausgelöst wird. Eine Puppe drängt sich zwischen die Körper, und ihr bestimmendes, oft zorniges Zerren fordert Beachtung.

Bildgewaltige Darbietungen

Sind es Erinnerungen an eine störrische Kindheit, an eine gestrenge Mutter, die hier symbolisch im langen schwarzen Kleid zum bedrohlichen Objekt wird? So achtlos die Spieler die gesichtslose Puppe immer wieder verschwinden lassen, so ausdrucksstark wird sie mit geführten Gliedern lebendig. Sie wird ebenso wie der Akrobat zum atemberaubenden Künstler auf dem Trapez, läuft der Zeit davon und gewinnt Oberhand, indem sie die vereinten Körper vom Podest wirft.

Zum harten Anschlag einer Pianomelodie wird an das Weltende (mit Elsa Lasker-Schüler) erinnert, während der Tanz in der Luft und auf dem Boden in einem furiosen Taumel versinkt. Eine bildgewaltige Performance, die 75 Minuten lang wunderbare Choreographien und eine grandiose Beherrschung der so ästhetisch schönen Körper von Moritz Haase und Jarnoth zeigte. Das Publikum dankt mit langanhaltendem stehendem Applaus. cha

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