Kultur

Konzert Albert Hammond gastierte in Neustadt/Saale

Pures Glück

Eigentlich gehört so ein Konzert von Albert Hammond vom Arzt verordnet. Auf Rezept. Zuzahlungsfrei. „Songbook“ heißt das Medikament, das Blutdrucksenker und Stimmungsaufheller überflüssig zu machen scheint. Am Sonntag verabreichte er es seinen Fans in Neustadt an der Saale.

Als er ganz in Schwarz gekleidet auf der Bühne erscheint, springen die Ersten schon von ihren Plätzen auf. Der Applaus will nicht enden. „Let’s have some fun!“, ruft er und legt mit „Everything I want to do“ los. Volle zwei Stunden wird Albert Hammond auf der Bühne stehen und alles geben. Dass er fast 74 Jahre ist, will man nicht glauben. Klein, unglaublich drahtig und fast schon schmächtig steht er da oben und verströmt Liebe. Das klingt pathetisch, kitschig, ist aber so.

Welthits am laufenden Band

Zusammen mit seiner bestens aufgelegten Band reiht er Hit an Hit und lässt den Glückshormonspiegel in der neuen Stadthalle bis zum Siedepunkt steigen. Überall erblickt man seliges Lächeln in den Gesichtern derjenigen, die dieses Konzert erleben dürfen.

Aus Hammonds Feder flossen so viele Welterfolge, und fast ausnahmslos handeln sie von der Liebe und allen damit verbundenen Begleiterscheinungen. Etwa „Don’t you love me anymore“, das er Joe Cocker auf den Leib schrieb, Tina Turners „I don’t wanna lose you“ oder „To all the girls I loved before“ für den, wie er lachend sagt, „Playboy“ Julio Iglesias.

Albert Hammond beweist in Neustadt, warum er ein Weltstar ist. Er zeigt aber auch seine Bodenständigkeit. Berührungsängste hat er keine, im Gegenteil: Er verlässt die Bühne, um ganz viele Hände zu schütteln mit seinem Publikum. Es hat fast schon etwas Rührendes, wie dieser kleine Mann da mit seinem Mikrofon mitten in der Halle steht und singt und pures Glück verströmt.

Nach zwei Stunden und doch viel zu früh kommen die Mega-Hammond-Hits: Ganz zum Schluss schwelgt das Publikum, das das Konzert schon längst im Stehen genießt, im tausendmal gehörten und doch immer wieder aufs Neue schönen „It never rains in Southern California“, feiert eine Party mit der „Free Electric Band“ und wird hemmungslos emotional bei „The Air that I breathe“, das er für die Hollies schrieb.

Doch nach dem letzten Ton ist für Hammond noch lange nicht Schluss: Er schreibt so lange Autogramme und posiert für Fotos, bis auch der Letzte glücklich nach Hause geht. In Neustadt dauerte das eine knappe Stunde. Auch der routinierte Schweinfurter Konzertmanager Mike Klein, der Hammonds Auftritt in Neustadt ermöglicht hat, gibt nach diesem Abend gegenüber den FN ehrlich zu: „Heute Abend hatte ich mehrmals Tränen in den Augen“.