Kultur

Schlossfestspiele Heidelberg „Shakespeare in Music“ feiert im Dicken Turm Premiere / Vitaler musikalischer Schauspielabend

Quer durch die Jahrhunderte

Heidelberg.Wieder einmal eine glückhafte Eröffnung der Heidelberger Schlossfestspiele, denn mochte es in der Ferne noch so sehr blitzen und grollen, im Dicken Turm blieben die Besucher unbeschadet. Erst auf dem Heimweg kühlten Regentropfen die durch ein vitales Spiel im szenisch-musikalischen Sommernachtstraum „Shakespeare in Music“ erfreut-erhitzten Gemüter.

Aufgerüstet durch den Bühnenbauer Peer Rudolph empfing der Dicke Turm die Besucher, denn fast wie in einem Globe-Theater nach dem berühmten Londoner Vorbild wurde die kleine Spielfläche eingerahmt. Eine hölzerne Drehbühne, von Mimen-Hand immer wieder angeschoben, kam dem Zuschauer wie ein ironischer Schlenker auf die Drehbühnen-Diskussion im großen Haus vor. Voilà, eine glänzende Idee für alle kommunalen Sparkommissare bei künftigen Theater-Neubauten. Also: Auch hier hat Heidelberg die Nase vorn.

Hoher Spaßfaktor

Spaß beiseite, jetzt wird es ernst, doch auch wieder nicht, denn die charmante und quirlige Präsentation dieser Produktion ließ kaum Wünsche offen, als der Spaßfaktor nicht zu kurz kam, gleichwohl die Akteure auf hohem Niveau das Spiel um Liebe, Tod und Glück absolvierten. Denn die komischen Figuren des Meisters aller Dramen-Klassen verwoben sich in der Regie von Henning Bock kunstvoll miteinander, stürmten die kleine Bühne, verwandelten sich und feierten Wiederauferstehung. Denn wenn eine Julia ganz in Weiß theatralisch zu Boden sank, so stand sie wieder auf, denn sie wurde und wird für die nächste Szene und die kommenden Vorstellungen gebraucht.

„Shakespeare in Music“, das bedeutet einen Streifzug durch die Hits einiger Jahrhunderte. Günter Lehr, der auch die kleine Combo mit Nina Hacker (Kontrabass und E-Bass) und Günter Bozem (Schlagzeug und Percussion) anführt, hat arrangiert und komponiert und daraus einen attraktiven Mix geschmiedet: zwischen Renaissance und heute, zwischen verträumter Liebeslyrik und aggressivem Rock- oder Musical-Sound. Der kommt gut an, nicht nur bei den Premieren-Besuchern, sondern spürbar auch bei den Darstellern, die – selbstredend für ein anspruchsvolles Haus – auch ordentlich singen und dabei unterschiedliche Typen repräsentieren.

Gegensätzliche Figuren verkörpern Julia Lindhorst-Apfelthaler und Katharina Uhland, die eine Typ keusche Jungfrau, die andere als schriller Vamp von Sarah Sauerborn kostümiert. Ihre Songs kommen gut, denn sie sind gut drauf. Auch die Herren der Schöpfung sind gut dabei, wenn der Counter Gert Hohmann in gestreiften Pluderhosen durch die Szene stolziert, während Martin Wißner und Friedrich Witte die Skala zwischen Renaissance-Gesäusel und Musical einschließlich Rocky-Horror-Figur durchmessen. Interessant in der musikalischen Bearbeitung von Günter Lehr ist, dass die Songs und Titel zwischen Brian Ferry und William Byrd ganz toll zueinander passen.

Zwischendurch wollte die Abendspielleiterin ob eines drohenden Unwetters schon unterbrechen, doch das Publikum befahl lautstark „Weitermachen“. Und hatte recht damit. Start gelungen, die Heidelberger Schlossfestspiele nehmen ihren Lauf, wobei bestaunt werden darf, wie das Heidelberger Theater und Ensemble das alles stemmt.