Kultur

Fotografie Litauer Visvaldas Morkevičius in der Ten Gallery

Raffinierte Einfachheit

Wir wissen nicht, was wir sehen: Liegt eine durchscheinende Platte auf dem Bild, oder schauen wir durch den Rauch eines offenes Feuers auf eine romantische Landschaft? Sehen wir verschlungene Hände aus Marmor, oder sind sie nur überbelichtet? Ganz deutlich ist der Eindruck eines Gummibaumblattes in einer Raumecke, die Schwarz-Weiß-Aufnahme ist schlicht und einfach großartig!

1990 ist der junge litauische Fotograf Visvaldas Morkevičius geboren, er lebte eine Zeit lang in Berlin, jetzt wieder in Vilnius. Seine Fotografien pendeln zwischen Mode, Nachtleben und Landschaft, die Motive sind ausgesucht und ausgefallen. Etwa seine beiden Bäume, die den „Inner Dialogue“ (auch Ausstellungstitel) bilden: Auf dem einen Stamm ist ein rotes Herz gesprayt, an dem anderen hängt eine rote Warnlampe. Einerseits schnell verständlich, andererseits sehr irritierend durch die Mischung aus technischem Gerät und Liebe, in einer nächtlichen Szenerie am Wasser. Auch die aus der Modefotografie stammenden Bilder sind überraschend und ungewöhnlich. Sie zeigen eine junge Dame in sehr interessanten Posen, beispielsweise in Orange gekleidet auf einem weißen, hochkant stehenden Polster sitzend. Durch den ebenfalls orangefarbenen Boden mit einem breiten schwarzen Streifen werden die Motive einerseits miteinander verbunden, andererseits durch die merkwürdige Haltung des Modells und die Rückenansicht konterkariert, irritiert und verfremdet.

Aufnahme von Unfallauto

Ein Unfallauto, junge Feiernde am Boden, beides in hartem Schwarzweiß, ändert nichts daran, dass in dem jungen Fotografen offensichtlich ein romantischer Kern schlummert, der etwa für das feine Gummibaumblatt verantwortlich ist, das zudem die ganze Kunstgeschichte wachruft, denn es erinnert genauso ans Bauhaus wie an das Neue Sehen der 20er Jahre.

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