Kultur

Rapper bremsen Falco

Archivartikel

Falcos geniale Nummer „Der Kommissar“ wurde 1982 auf dem Höhepunkt der Neuen Deutschen Welle nicht nur ein Welthit. Bei Licht betrachtet war sein rasanter, rhythmisch spektakulärer Sprechgesang der erste erfolgreiche Rap-Song eines Weißen überhaupt. Es ist also mehr als naheliegend, dass sich die deutsche Hip-Hop-Szene mal tief vor dem vor 20 Jahren tödlich verunglückten Superstar aus Wien verbeugt. Das hätte interessant werden können. Aber die auf dem Tribute-Album „Falco – Sterben um zu leben“ vertretene Auswahl gemäßigter Straßen- oder Spaßrapper wie Kontra K, Sun Diego, Zugezogen Maskulin, Ali As oder 3Plusss bremst auch seit Jahrzehnten unwiderstehlich mitreißende Partytracks wie „Rock Me Amadeus“ und „Vienna Calling“ regelrecht aus. Dass die Rapper eigene Strophen und Beats zu mehr oder weniger ausführlichen Falco-Samples packen, ist natürlich logisch. Aber warum so oft mit verschlepptem Tempo und ätzend verzerrten Stimmeffekten? Selbst Altmeister Sido macht aus dem „Kommissar“ einen halben Langweiler, nachdem man immerhin unbedingt das Original auflegen möchte. Für den primitiven Tiefpunkt sorgt verlässlich Atzen-Spaßvogel Frauenarzt. Mit Abstrichen funktioniert Ali As’ „Jeanny“, ansonsten liefert Hazes dynamische, trocken reduzierte Version von „No Time For Revolution“ den einzigen Lichtblick.

„Falco – Sterben um zu leben“ (Sony).