Kultur

Schlagerstar Helene Fischer Konzert in der Mercedes-Benz-Arena in Stuttgart mit 45 000 begeisterten Fans / Ausflug in die 1990er Jahre kam sehr gut an

Rasante Achterbahn-Fahrt der Gefühle

Archivartikel

550 000 Fans kamen zu 14 Stadionkonzerten: Helene Fischer ist ein Phänomen.

Die 33-Jährige ist ein Multitalent und sie begeisterte am vergangenen Sonntag einmal mehr die Massen, diesmal in der Mercedes-Benz-Arena in Stuttgart. 45 000 wollten sie live erleben und feierten die Sängerin, Tänzerin, Entertainerin, Moderatorin und Schauspielerin. Ja, Helene Fischer hat viele Qualitäten und sie zeigte die meisten davon auch an diesem Abend. Sie ließ die Herzen beben, bot den Fans eine rasante Achterbahn-Fahrt der Gefühle und eilte nur einmal, dafür aber mit tausendfachem Chor „Atemlos durch die Nacht“.

Der Regen konnte sie nicht stoppen – und ihr Publikum auch nicht. Sie zog ihr fulminantes Showprogramm abgerundet durch riesige Videoleinwände durch, präsentierte viele ihrer Hits und riss die Fans von ihren (teilweise teuren) Sitzen.

„Stuttgart, der Sommer kommt zurück, ich glaub’ fest daran“, rief sie durchnässt, aber lachend der Menge in der Stadionmitte unter den dunklen Regenwolken zu und erntete – wie so oft an diesem Abend – große Zustimmung im gesamten Rund der Arena. „Das ist mein Moment im Regen“, meinte sie total gerührt und sprach wenig später von einem großartigen Abschluss der diesjährigen Stadiontournee.

Feuer, Feuerwerk und Konfetti durften natürlich nicht fehlen bei Deutschlands erfolgreichster Künstlerin, die mit mehr als zehn Millionen verkauften Tonträgern aufwarten kann. Auszeichnungen hagelte es bereits zuhauf für die 33-Jährige, die in wenigen Tagen Geburtstag hat.

Mit sechs verschiedenen Outfits überraschte sie am Sonntag. In Hotpants und mit kniehohen, blauen Stiefeln beginnt die Schlagerkönigin das Konzert und beendet es nach über zwei Stunden in ein wenig Latex gehüllt, durch eine große Pfütze (die sowieso geplant war) auf der Bühne tanzend.

Im Pick-up an den Fans vorbei

Mit „Flieger“, „Phänomen“ und „Fehlerfrei“ beginnt das farbenfrohe Spektakel kurz nach 20.30 Uhr. Während sie ein Medley älterer Songs zum Besten gibt, lässt sie sich vorbei an den jubelnden Fans mit einem Pick-up durch die Arena kutschieren, ehe sie hinter der Bühne verschwindet und im Glitzerkleid zurückkehrt.

„Viva La Vida“, „Sonne auf der Haut“ und „Und morgen früh küss ich Dich wach“ folgen. „Lieb’ Mich“ und „Von hier bis unendlich“ sorgen für emotionale Momente, Tränen kullern ihr über die Wange und das Publikum fühlt voller Begeisterung mit.

Im funkelnden, schwarzen Hosenanzug stimmt sie „Verdammt, ich lieb’ Dich“ von Matthias Reim an, dessen erster – und mit Abstand größter – Hit aus dem Jahr 1990. Und die Menge ist voll dabei. Textsicher sind die meisten – das Publikum reicht von ganz Jung bis weit hinein ins Rentenalter – wie bereits erwähnt: Die blonde Schlagerkönigin ist ein Phänomen! Und sie setzt die Cover-Schiene gekonnt fort: mit Dance-Pop à la „Rhythm is a dancer“, „I like to move it, move it“ und „Sing Hallelujah“ werden Hits von 1992, ’93 und ’94 wieder lebendig – und alle singen mit. „Und wo sind die Hände? Oben!“, freut sich die Künstlerin strahlend.

Das ist „Unser Tag“ schallt es danach durch die Arena, ehe die Powerfrau zur großen Hymne „Freiheit“ von Marius Müller-Westernhagen ansetzt, zusammen mit Ben Zucker – unterstützt von 45 000. Gänsehautfeeling garantiert. Er ist eigentlich ihr Einheizer, ihr Support. Auch an diesem Abend stimmte er das Publikum auf den Topact ein. Sie dankt ihm für die gelungene Stadiontournee.

Er freut sich riesig und nimmt das Lob voller Demut entgegen. Ben Zucker ist ein deutscher Sänger aus Berlin. Sein Markenzeichen ist seine rauchig-kratzige Reibeisenstimme. Zucker war 2018 in zwei Kategorien für den Echo nominiert, „Newcomer national“ und „Schlager“.

Nach dem Beinahe-Rocksong „Wir brechen das Schweigen“, der für mehr Menschlichkeit, Liebe und Frieden eintritt, zieht das Tempo merklich an: „Atemlos“ verwandelt das Stadion endgültig in den erwarteten „Hexenkessel“. Es reiht sich nun Hit an Hit: „Ich will immer wieder. . . dieses Fieber spür’n“ und „Die Hölle morgen früh“. Schließlich treffen Elektro-Elemente und Schlager aufeinader und es kommt zum „Herzbeben“. Sie reitet im roten Kleid auf einem großen Herz Rodeo. Das Publikum ist begeistert.

„Mit keinem andern“ heißt es noch, bevor der „Vorhang“ fällt. Lange bleibt er aber nicht unten, weil die Fans lautstark Zugaben fordern: „Nur mit Dir“ im Taschenlampen-Lichtermeer und dann die „Achterbahn“ – ihr persönlicher Lieblingssong wie sie öffentlich sagte – im wuchtigen Mix des DJ-Multimillionärs Afrojack bescheren ein wahres Effektfeuerwerk zum großen Finale.

Helene Fischer wurde 1984 in Krasnojarsk in der damaligen Sowjetunion (heute Russland) geboren. Sie kam 1988 mit ihrer Familie ins rheinland-pfälzische Wöllstein und absolvierte eine Ausbildung als Sängerin, Tänzerin und Musicaldarstellerin. 2006 erschien ihr erstes Album.