Kultur

Enjoy Jazz Rabih Abou-Khalil und seine Oud sind wieder da

Rasanter Galopp

Archivartikel

Zu Beginn erzählt Rabih Abou-Khalil in seinem Enjoy Jazz-Konzert, wie ein Polarforscher aus Norwegen den rechten Weg verlassen habe und in eine heiße Sandwüste des Orients geraten sei. Er selbst wählte den umgekehrten Trip, vom Libanon nach München, und zwar mit Gepäck – die Kurzhalslaute Oud mochte Abou-Khalil nicht missen. In den 1980ern gelang es ihm fast im Alleingang, sie als Schlüsselinstrument des Ethno-Jazz zu etablieren und zu popularisieren. In den letzten Jahren war es allerdings recht still um ihn geworden. Doch der Meister ist zurück – und nach wie vor Garant für ausverkaufte (Gottes-) Häuser, wie sich in der Heidelberger Friedenskirche zeigt.

Schnell- und scharfzüngig

Die Haare sind ein Stück weit aus der Stirn getreten, aber sonst ist alles unverändert. Selbst in seinen Ansagen: Abou-Khalil, inzwischen 62 Jahre alt, gefällt sich in der Rolle eines schnell- und scharfzüngigen Zynikers. Genauso schnell und scharf ist auch sein Spiel: Während sein Antipode Anouar Brahem – der andere Oud-Großmeister – eine Ästhetik der Miles Davis-haften Selbstbeschränkung kultiviert, verfolgt Abou-Khalil eine Ästhetik der Beschleunigung und Fülle. Eine von fast aufbrausender, auftrumpfender Virtuosität, die auch 2019 ungebrochen ist. Man wünschte sich bisweilen ein paar Ruhepunkte mehr. Aber der Meister fand noch nicht mal auf dem Schloss des Grafen Dracula in Transsylvanien Ruhe, wo er („Ehrenwort!“) die Nummer „Vlad“ geschrieben habe.

Unerschrocken sind auch seine Begleiter, die die Scherze und das Höllentempo ihres Arbeitgebers klaglos hinzunehmen und im Fall des Tempos ohne Pannen mitzugehen wissen. Jarrod Cagwin aus den USA beherrscht die Rahmentrommel aus dem Orient – genauso wie konventionelles, manchmal knüppelhartes Schlagzeugspiel. HGF

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