Kultur

Klassik Warren Barretts Werke in Mannheims Hafenkirche

Raus aus der Kuschelecke

Mannheim.Dieses Stück ist ihm besonders wichtig, denn es ist das erste nach dem Abschluss seines Komponisten-Master-Studiums an der Mannheimer Musikhochschule. Michael Warren Barrett hat es "Heart" getauft. Es ist auch eine Existenzbeschreibung und -bestimmung, eine neue Antwort auf so große Fragen wie "Wer bin ich?" und "Wo will ich hin?" Für diese Antwort hat sich Barrett nicht gerade Macho-Instrumente ausgesucht, "Heart" ist ein Triostück für Flöte, Harfe und Viola - und bewegt sich dadurch teilweise im Fahrwasser von Debussy. Auch wenn der junge Komponist die Harfe, jedenfalls im ersten Satz, aus ihrer Kuschelecke lockt: Jelena Engelhardt greift dann zu rhythmisch zugespitzten Tonrepetitionen.

Barrett steht für das Konzert die Hafenkirche zur Verfügung. Es ist schon das zweite seiner Art, vielleicht wird es zur Tradition. Und diesmal hat der Komponist auch seine Studienfreundin Wiebke Smeikal mit ins Boot geholt, für einen Abend, der "Natur und Ruhe in der zeitgenössischen Musik" vermitteln möchte. Smeikals "In the Forest" tut das mit viel Luft und freien (Klang-) Flächen, es ist ein Stück für eine Orgel - und zwei Kokosnüsse. Letztere entpuppen sich aber als durchaus ernstzunehmende Percussion-Instrumente.

Gefühlvolle Harmoniewechsel

Auch Musik von schon recht alten Meistern wie Poulenc, Messiaen und Bartók ist zu hören, Messiaens Orgelstück "Banquet céleste", gespielt von Smeikal, wird mit seinen Harmoniewechseln in Zeitlupe dem Motto des Konzerts am ehesten gerecht. Die jungen Musiker trotzen erschwerten Umständen - wie einem dumpfen, scheppernden Klavier. Flötistin Aleksandra Pechytiak vollbringt in "Debla" von Cristóbal Halffter die solistisch vielleicht stärkste Leistung. Und auch eine Sängerin tritt auf: Natasha Schnur flutet die Hafenkirche mit dem Lied "Tu Risa", Michael Warren Barrett hat hier einem Text Pablo Nerudas eine Menge Pathos beigemengt. Zu Recht: "Du kannst mir alles nehmen, nur dein Lächeln nicht", steht bei Neruda.