Kultur

Blues Sydney Ellis und die Midnight Preachers begeistern

Reibeisen-Stimme und schnurrende Katze

Archivartikel

Vier Männer und eine Frau mit starker Bühnenpräsenz und Stimme: Am Freitagabend hatte das Ella & Louis mit Sydney Ellis eine international gefragte Bluessängerin zu Gast. Mit ihren Midnight Preachers sorgte sie für ausgelassene Stimmung und lieferte ein Lehrstück, wie Blues in seinen verschiedenen Spielarten funktioniert.

Mit 44 erstmals allein vor Zuhörern

Dass Sydney Ellis zu Recht zu den ganz großen ihres Genres gehört, wird nach wenigen Nummern nur allzu deutlich. Ganz gleich ob schwer und treibend, tanzbar-fröhlich oder nahezu auf A-cappella-Charakter reduziert: Die 72-Jährige liefert mit beeindruckender Tongewalt und stilistischem Feingefühl ab – ohne sich auch nur ein einziges Mal beweisen zu müssen. Schon 44 Jahre alt war sie, als sie das erste Mal allein vor Publikum sang. „Mean And Evil“ hatte sie sich damals für ihren ersten Auftritt ausgesucht, und auch im Ella & Louis bringt sie den Song, in dem sie ihre Stimme mühelos zwischen Reibeisen und samtig schnurrender Katze changieren lässt. Die Bluesfans sind von ihr ebenso begeistert wie von der grandiosen Band mit dem Mannheimer Pianisten Joe Völker am Piano, Hugo Scholz am Saxophon, Roland Weber am Schlagzeug und Doc Ellis am schwer groovendem Bass.

Sie beherrschen das expressive Spiel genauso wie extreme Zurücknahme, die es im Club zwischendurch so leise werden lässt, dass man jedes Klappern vom Barbetrieb und jedes Quietschen der Drehhocker hört. Die Spannung reißt dabei niemals ab. Nach fast jedem Solo, das die selbstbewusste Frontfrau ihren Musikern zudirigiert, gibt es Zwischenapplaus, bei der Vor-Pausen-Nummer „Sealine Woman“ (Nina Simone) gellen Jubelrufe durch den Keller-Club.

Auch im zweiten Konzertteil stehen nochmals Eigenkompositionen der Sängerin neben Spirituals und Bluesklassikern etwa von Muddy Waters. Es ist ein gelungener Abend – mit einer herausragenden Sängerin und einer ebensolchen Band.

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