Kultur

Kunst Dauerleihgaben von Jürgen Goertz im „Gläsernen Saalbau“ des Heidelberger Schlosses, den er als Spiegelsaal neu gestaltet hat

Renaissance als geistige Heimat

Archivartikel

Der „Gläserne Saalbau“ im Heidelberger Schloss ist ein Bau von historischer Bedeutung. Errichtet wurde er unter dem Kurfürsten Friedrich II. (1482-1556), einem Feudalherrn von internationaler Bedeutung. Über Friedrichs Zeit hinaus wirken die Zeichen, die er setzte. Er errichtete auf dem Heidelberger Schloss, das damals noch ziemlich provinziell wirkte, einen Bau im Stil der Renaissance, dessen Prunkstück, von daher der Name, ein Spiegelsaal war.

Im 30-jährigen Krieg ging dieser in Scherben, der übrige Bau wurde im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1689-1693) zerstört. Den Rest bekam das Gebäude bei einem Blitzeinschlag in den 60ern des 18. Jahrhundert, so dass er von da an in Trümmern lag. Bis heute, denn ab jetzt darf der „Gläserne Saalbau“, der seit einigen Jahren renoviert worden ist, wieder zu Recht so genannt werden. Er hat wieder einen Spiegelsaal. Geschaffen von dem zeitgenössischen Künstler Jürgen Goertz, Jahrgang 1939).

Betritt man den neu restaurierten Bau vom Ottheinrichsbau aus, überrascht der gigantische konvexe Spiegel (212 mal 212 Zentimeter), der den Raum bis ins Unendliche zu erweitern scheint. Umrahmt ist der Spiegel von einem Kranz aus Edelstahl, poliertem Neusilber und vielen Details, die teilweise mit Blattgold hervorgehoben sind. Hier multiplizieren sich die Metallträger der gläsernen Decke, welche den Blick in den oberen Bereich der Ruine freigibt. An den jeweiligen Enden jener rot lackierten Bögen befindet sich ein gegossener Porträtkopf als eine Art Abschluss: Formen, wie sie auch in den noch vorhandenen Fassaden des Schlosses zu erkennen sind.

Außenschau endet am 25. Oktober

„Die Renaissance ist meine geistige Heimat“, bekennt Jürgen Goertz, der zur festlichen Eröffnung des neuen „Gläsernen Saalbaus“ persönlich erschienen war. Diese Ausstellungsfeier bildete auch den krönenden Abschluss seiner großen Skulpturenausstellung im ehemaligen Hortus Palatinus, dem Schlossgarten. Dort und in der Schlossruine selbst sind seit dem Frühling etwa dreißig Großskulpturen von ihm zu sehen, eine Art Retrospektive auf das Werk des Künstlers zwischen 1974 und heute.

Während diese Großskulpturen nach dem 25. Oktober wieder abgeholt werden, bleiben die Skulpturen im „Gläsernen Saalbau“ für die nächsten zehn Jahre. Deren Kernstück ist der „Lichtbrunnen – Sanssouci in Spe“, wie Goertz sein eindrucksvolles Werk genannt hat, das tatsächlich wie ein Renaissancebrunnen mit haubenartiger Bedeckung aussieht. Darüber schwebt ein Baldachin, der das Sakrale dieser Installation betont, die in einem kleinen separaten Raum innerhalb des Gebäudes untergebracht ist.

Mit ironischem Blick zurück

„Man kann sich einer fernen Epoche nicht ohne Ironie nähern“, gesteht Goertz schmunzelnd, als er seinen Begleitern den Charakter jenes Werks, das den ganzen Raum einbezieht und von Proportion und Größe, ja sogar von der Struktur des Fußbodens aus gesehen ganz darauf abgestimmt ist. An der Wand hängt ein Relief, das Kaiser Napoleon auf seinem geliebten Ross zeigt. Ironie bedeutet für Goertz, dass er auf das Schmunzeln beim Betrachter setzt, wenn dieser resümiert, wie viele Abgüsse von banalen Gegenständen in den Charakter jener detailreich zusammengesetzten Arbeiten eingeflossen sind.

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