Kultur

Musical Die Musikbühne Mannheim macht mit „Die Theaterchefin“ selbstbewusst auf Probleme des freien Theaters aufmerksam

Risiken des Künstlerlebens

Archivartikel

Eine gold leuchtende Zahl prangt auf einem roten Torbogen, sie flackert, es knarzt, und dann, unter Raunen des Publikums, kippt sie zur Seite: die 30. War das so geplant? Ja. Warum? Dazu später. Zunächst wird klar, die neue Produktion der Musikbühne Mannheim, „Die Theaterchefin“, geschrieben von Eberhard Streul, wird kein gewöhnliches Musical zum Zurücklehnen und Zuhören. Vielmehr ist es ein interaktives und ganz persönliches Stück über die eigenen Schwierigkeiten im freien Theater, in das 23 Welthits eingeflochten werden.

Schon die erste Frage der Theaterchefin (Daniela Grundmann) ist eine direkte Ansprache an die Zuschauerränge im Parktheater Bensheim: Wie viele Jahre Bestehen feiert die Musikbühne wohl mit ihrer heutigen Jubiläumsrevue? Gelächter. Das Publikum zeigt auf die goldene 30. Es ist der einfache Humor, der den Abend bestimmt, aber es funktioniert. Ingo Wackenhut als Hugo-Maria Schmitz, der Star-Tenor des Theaters im Theaterstück selbst, bekommt einen Anruf: „Mama, ich kann jetzt nicht!“ Auch, wenn erneut Gelächter folgt, wirkt manche Überleitung zum nächsten Song, wie hier „Kein Schwein ruft mich an“ (außer Mama) von Max Raabe, etwas abrupt und ungeschickt.

Man sehnt sich nach etwas mehr Handlung. Erst später wird klar, worum es eigentlich geht. Hinten im Saal geht die Tür auf, das Licht geht an. „Wer hat Ihnen erlaubt, hier aufzutreten?“, schreit der Bürgermeister, gespielt von Christian Birko-Flemming, der in der Uraufführung selbst Regie führt. Vollkommen in seiner Rolle als Kulturfeind aufgehend, soll er schließlich Teil der Aufführung werden und vom Glanz des Musicals überzeugt werden.

Welthits mitgesungen

Damit zurück zur goldenen, umgekippten 30. Immer wieder macht das Theaterensemble, nicht unbedingt zwischen den Zeilen, auf die Risiken eines freien Künstlerlebens aufmerksam, und auf Missstände, die ohne Förderung durch die Stadt kaum bewältigt werden könnten: „Weil wir keine eigene Spielstätte haben“ und „Ich hatte mein Studium mit einer Eins abgeschlossen und träumte von der MET“. Die Stimmung im gut gefüllten Parktheater trübt dies jedoch nicht. Hits wie „Yesterday“ von den Beatles, begleitet von Pianist Dmitrij Koscheew, regen zum Mitsingen an, und eine Stepptanzeinlage und die betrunkene Sekretärin (Christina Prieur) sorgen für Überraschungsmomente.

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