Kultur

Kunst Ulla von Brandenburg verzaubert Darmstadt

Roter Würfel auf einem grünen Sofa

Die Blumen sind frisch, das Kaffeegeschirr steht auf dem Tisch, der Aschenbecher ist geleert, sogar der rote Würfel liegt auf dem Sofa, als sei noch eben mit ihm gespielt worden. Doch die Wohnung ist leer. Der Besucher kann ungestört sieben Räume durchstreifen, vom Empfangszimmer über Speise- und Ankleidezimmer, Damen- und Herrensalon, Kinder- und Musikzimmer bis zum Flur. Nur das Schlafzimmer fehlt. Doch einige kleinere Objekte wirken beim näheren Betrachten merkwürdig schief geformt. Nicht nur das Kaffeegeschirr ist aus bunt bemaltem Pappmaché, auch etliche Vasen und die wie nebenbei auf dem Flügel abgelegte Brille.

Unikate aus Papier

Selbst der Teppich mit dem schwungvollen Rot-Blau-Muster besteht nur aus Papier, nach einem kleinen Ornament von Patriz Huber, das vergrößert und vereinfacht wurde. Aber der Teppich passt gut zu den echten Möbeln im Speisezimmer von Hans Christiansen aus dem Jahr 1903. Was ist echt, was ist falsch? Und wo befinden wir uns? Ulla von Brandenburg treibt ein raffiniertes Verwirrspiel mit dem Betrachter.

Die 43-Jährige hat den Westflügel des Darmstädter Museums Künstlerkolonie in eine bürgerliche Wohnung verwandelt. Eigentlich ist alles so, wie es sich die Mitglieder der von 1899 bis 1914 bestehenden Künstlerkolonie vorgestellt haben. Eine ästhetisch durchdachte Wohnung, in der alles von Künstlerhand gestaltet ist: Tisch und Stuhl, Bild und Teppich, Tapeten, Wandfarben und Vasen. Brandenburg schmuggelt ihre Unikate aus Papier dazwischen, einen großen Waschkrug etwa oder eine üppig wuchernde Bergpalme im roten Topf. Die Künstlerin hat die Bestandsschau neu aufgebaut und mit ihren Werken ergänzt.

Das ist typisch für Ulla von Brandenburg, die sich für das 19. Jahrhundert interessiert und oft ortsbezogen arbeitet. Die in Paris lebende und an der Karlsruher Kunstakademie lehrende Künstlerin spielt mit dem Betrachter und seiner Rolle. Für ihn tut sich eine Bühne auf zwischen Wirklichkeit und Fiktion, Vergangenheit und Gegenwart.