Kultur

Jazz Wolfgang Meyer spielt mit dem Peter Lehel Quartett

Rückkehr der Nymphe

Wolfgang Meyer kann sich noch erinnern, wie er einst „The Sphinx“, ein kaum bekanntes Stück aus Benny Goodmans Repertoire, zum allerersten Mal gehört hat. In seiner Geburtsstadt Crailsheim, in den späten 1950ern muss es gewesen sein. „Mein Vater war Musiklehrer“, berichtet er in Mannheim. Und der Vater habe dieses Stück geliebt, deswegen habe es auch für ihn selbst große Bedeutung. Meyer zieht an diesem Abend eine musikalische Bilanz, im voll besetzten Club Ella & Louis – jeder Barhocker ist hart umkämpft – ist eine Art Karriereresümee geboten.

Enge Partnerschaft

Neben ihm steht Peter Lehel und bedient das Saxofon. Der Jazzer Lehel und der eher klassisch orientierte Meyer pflegen schon seit langem eine enge und von preisgekrönten Plattenaufnahmen flankierte Partnerschaft. Die beiden haben voneinander einiges gelernt und ihre künstlerischen Sphären dabei nochmals ausgeweitet. Lehel fragt: „Was ist Crossover?“ Schwer zu sagen. Doch ein Schimpfwort muss es nicht sein. Lehel hat für Saxofon und Klarinette auch ein Concertino komponiert, mit einem echten Sinfonieorchester und diversen Extras. Ein Exzerpt daraus gibt es in Mannheim.

Allerdings: Die Standards und die Latin-Jazz-Nummern begeistern noch ein bisschen mehr, das Saxofon von Lehel kann in ihnen einen satten, drallen Ton entfalten, bis zu brunftartigem Röhren. Auch der Pianist in Lehels prächtigem Quartett, Ull Möck, frappiert mit seinen Soli, die in jedem Einzelfall zu einem individuellen Ton zu finden wissen. Und was Drummer Obi Jenne in „The Sphinx“ macht, ist die pure Anmache. Während sich Wolfgang Meyer, sonst auf kunstvoll abgeklärtes Spiel vertrauend, in dem Standard „Caravan“ noch einmal in die höchsten Klangregister vorwagt. Und im „Vilja-Lied“ von Franz Lehár ist man gewissermaßen auf den Spuren von John Coltrane unterwegs. Die Vilja, eine Nymphe, ist in ziemlich hohem Tempo unterwegs. Weit schneller als im Original.