Kultur

Ruf nach Ruhm

Ein oft im Halbschlaf registrierter Moment unterscheidet doch das Genie vom Normalsterblichen. Während für gewöhnlich der Wecker, die Kirchturmglocken oder der Hahn die meisten Menschen aus dem Schlaf zu reißen vermögen, droht jedes Jahr einer Gruppe von Menschen der verheißungsvolle Anruf aus Stockholm. Doch wie kompensieren die schlausten Köpfe der Welt ihren dadurch verursachten Schlafmangel? Der diesjährige Physiknobelpreisträger Thorne sagte in Medienberichten, er sei absichtlich früher zu Bett gegangen, in freudiger Erwartung, eine durch besagten Anruf verkürzte Nacht zu haben. Viele seiner hochbetagten Kollegen müssen wohl in seliger Vorfreude, völlig umsonst, früher schlafen gegangen sein.

Warum machte sich noch niemand daran, in böser Absicht alle Wissenschaftler Anfang Oktober unter falschen Vorgaben mit schwedischem Akzent den Preis verleihen zu wollen? Und was geschieht, falls man ausschläft - kommt dann der Nächstplatzierte an die Reihe? Das würde einiges erklären. Jaspar Glaschke