Kultur

Literatur regional Hafners „Das Geheimnis der Bibliothekarin“

Schatten bis in die Gegenwart

Archivartikel

Mit dem Band „Das Geheimnis der Bibliothekarin“ legt die Mannheimerin Dagmar Hafner einen Roman vor, der Realität und Fiktion, Vergangenheit und Gegenwart verschmilzt und zudem den Alltag der Hauptfigur sowie das lokale Ambiente der Quadratestadt einfängt. Die 64-jährige Autorin hat im Jahr 2016 mit „Der Schatz der Mannheimer Hugenotten“ ihr Debüt veröffentlicht, nun liegt ihr zweites Buch ebenfalls im Verlag Waldkirch vor.

Es kann als Fortsetzung des Erstlings, aber auch als eigenständiges Werk gelesen werden. Tess Maier ist 52 Jahre alt und fristet ihr Dasein als Buchhändlerin. Die Leser erfahren über sie, dass sie sich von Manfred, ihrem Mann, getrennt und in Marcus einen neuen Gefährten gefunden hat. Mit der Übernahme der Buchhandlung ihres Ex-Chefs wagt sie zudem den Schritt in die Selbstständigkeit, die sie sich während der Ehe mit Manfred nie hätte träumen lassen.

Auch ein Zeitdokument

Der neue Job macht ihr Spaß, bald kommen immer mehr Kunden. Ganz besonders angetan ist sie von ihrer Aushilfe Lena, einer Studentin, obwohl deren schrilles Äußeres – gelöcherte Jeans, weit ausgeschnittenes T-Shirt, wild vom Kopf abstehende Haare – und das Kaugummikauen sie auch stört. Ansonsten verläuft das Leben der Buchhändlerin in geordnete Bahnen, nichts Außergewöhnliches geschieht, außer der Scheidung vielleicht oder dem Autounfall, bei dem Marcus verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert wird.

Der Fund alter Briefe im Antiquariat, das der Buchhandlung angeschlossen ist, ändert das und sorgt für Aufregung. Voller Neugierde begeben sich Tess und Marcus auf die Suche des Adressaten – vor allem, weil ein mysteriöses Märchen verschlüsselte Hinweise gibt auf ein Erbe, das eine jüdische Bibliothekarin für ihren Sohn versteckt hat.

Während ihrer Recherchen tauchen die Protagonisten ein in die jüngere Geschichte Mannheims, stoßen auf Begebenheiten wie die Kinderlandverschickung, die Deportation von Bürgern jüdischen Glaubens nach Gurs oder die Luftangriffe auf die Stadt während des Zweiten Weltkriegs. All diese Ereignisse werfen ihre Schatten bis auf die Gegenwart, so dass dieser literarisch leider nicht sehr anspruchsvolle Roman auch als Zeitdokument gelesen werden kann.

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