Kultur

Kunstgeschichte Hundert Jahre nach der Bauhaus-Gründung erinnert in Weimar ein neues Museum an die einflussreiche Kunstschule

Schlichtes Gebäude folgt bekannten Prinzipien

Archivartikel

Auf den ersten Blick mag es in der Klassikstadt von Goethe und Schiller fehl am Platz wirken: das neue Bauhaus-Museum, ein riesiger grauer Betonkubus, durchzogen von horizontalen Lichtstreifen. Aber die Bezüge zum heute vor allem mit schlichter, klarer Architektur und reduziertem Design verbundenen Bauhaus sind deutlich zu sehen.

Sie habe ein Haus schaffen wollen, das sich als Museum verstehe, sagt die Berliner Architektin Heike Hanada. „Aber ich wollte die freien und experimentellen Impulse des Bauhauses aufgreifen.“ Sie sieht Bezüge zu Fabrik- und Industriehallen. Vor 100 Jahren gründete der Architekt Walter Gropius das Staatliche Bauhaus in Weimar. Dort nahmen die Ideen und Entwürfe der Gestaltungsschule erstmals Gestalt an. Noch heute gibt es dort die Bauhaus-Uni.

In den neuen Räumen in Weimar sind nun gut 1000 Objekte zu sehen – eine Auswahl aus der etwa 13 000 Objekte umfassenden Bauhaus-Sammlung der Klassik Stiftung Weimar. Auch bislang nicht gezeigte Zeitdokumente und multimediale Elemente sind dabei. Zu den besonders bekannten Stücken zählen etwa die nach der Form- und Farblehre Wassily Kandinskys entstandene Wiege von Peter Keler oder die Teekanne von Marianne Brandt. Daneben sind aber auch Stücke aus dem Grundstock der Sammlung zu sehen, den Gropius noch persönlich zusammengestellt hatte.

Wenn das Museum heute offiziell eröffnet wird, sind die Arbeiten noch nicht ganz abgeschlossen. Vor allem im Außenbereich ist noch zu tun. Die Kosten für den Bau seien am Ende von veranschlagten rund 22 Millionen Euro auf etwa 27 Millionen Euro gestiegen, sagt Stiftungspräsident Hellmut Seemann, dem Mannheims Kunsthallendirektorin Ulrike Lorenz im August an der Spitze der Stiftung nachfolgen wird. Geldgeber sind der Bund und das Land Thüringen. 1925 zog das Bauhaus auf politischen Druck von rechts nach Dessau um, später dann nach Berlin, wo es 1933 von den Nazis geschlossen wurde.

Das Museum steht an einem sensiblen Ort, an der Schnittstelle – manche sagen Bruchstelle – zwischen dem klassischen Weimar und dem einstigen NS-Gauforum. Bei dessen Bau wurden Häftlinge des am Rande Weimars gelegenen einstigen Konzentrationslagers Buchenwald eingesetzt. Die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora plant an dem Forum eine Dauerausstellung über die NS-Zwangsarbeit. Auch gegen diesen ehemaligen Prestigebau der Nazis muss sich das neue Bauhaus-Museum behaupten. dpa