Kultur

Klassik Paul Meyers Debüt beim KKO gelingt

Schnell und spritzig

Archivartikel

Es ist, wann immer ein neuer Dirigent vor ein Orchester tritt, die Frage aller Fragen: Was bewirkt er? Was hat er bereits in den Proben bewirkt? Was bewirkt er dann am Abend vor Publikum, wenn es gilt? Paul Meyer, der neue französische Chefdirigent des Kurpfälzischen Kammerorchesters (KKO), übernimmt ein auch von Vorgänger und Dirigierprofi Johannes Schlaefli gut aufgestelltes und gepflegtes Ensemble, dem der neue Konzertmeister Hans-Peter Hofmann vom ersten Violinpult aus zudem sichtbar Impulse gibt und guttut. Die Vorzeichen sind sehr gut im Rittersaal des Mannheimer Schlosses, Meyer ein renommierter Name. Als Klarinettist. Als Dirigent.

Frisch und spritzig klingen denn auch die zwei frühen Haydn-Sinfonien „Morgen“ und „Abend“ (Nr. 6 und 8 aus dem Jahr 1761), die solistischen Leistungen viel Raum einräumen. Meyers Dirigat wirkt musikalisch, mitunter aber überraschend weich und fast weniger wendig als der elektrisch zuckende Lauf dieser kleinteiligen und geistreichen Musik, die voller schroffer Motiv-, Bewegungs- und Dynamikwechsel ist. Er konzentriert sich ganz auf das Gestische. Es funktioniert. Zudem beeindrucken virtuose Einzelleistungen, etwa die von Kontrabassist Alexis Scharff in den beiden Trios, im ersten Trio zusammen mit Fagottistin Lena Nagai.

Streng nach Noten gespielt

Das KKO spielt technisch auf hohem Niveau, allein der abschließende „Sturm“ zeigt das, dessen 6/8-Takt-Presto Meyer sagenhaft schnell (MM: 128) anlegt. Selbst die Zweiunddreißigstel-Abstürze, Antipoden der Mannheimer Raketen, und Sechzehntel gelingen dem KKO in diesem Tempo noch brillant. Das ist haarsträubend gut. Ob Schönbergs „Verklärte Nacht“ indes nicht einen anderen Zugriff benötigt? Ein zutiefst spätromantisches Werk, das nur drei Dinge braucht: Atem, Atem und Atem. Daraus resultierend: Seele. Doch hier ist alles zu metrisch, zu nah an den Noten, zu streng. Mehr horizontales Musizieren wäre nötig. Entwicklung. Rubato. Schade. Unter dem Strich aber ein erfolgreicher Einstand mit finalem Jubel.

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