Kultur

Tanz Cooperativa Maura Morales versetzt mit dem Gastspiel „Exceso de la nada“ das Mannheimer EinTanzHaus in Unruhe / Tänzerin beschäftigt sich mit der Geschichte ihrer Heimat Kuba

Schon ein Schulterzucken lässt den Zuschauer aufschrecken

Archivartikel

Befangenheit – das ist es, was der Zuschauer von Anfang an verspürt, und später, begleitet von den kraftvollen, ruckartigen Bewegungen der Künstlerin, das Gefühl, ausbrechen zu wollen, sich frei zu machen von der Last, die die junge Frau zu tragen scheint. 60 Minuten lang verfolgt das Publikum gebannt jedes scheinbar unkontrollierte Zucken der Tänzerin und Choreographin Maura Morales, die sich im Solotanzstück der 2010 gegründeten Cooperativa Maura Morales „Exceso de la nada“ (dt. Überfluss des Nichts) mit ihrer Heimat Kuba auseinandersetzt, die sie im Jahr 1996 verlassen hat.

Ein simples Bühnenbild, denn viel braucht Morales nicht, um die Zuschauer im Mannheimer EinTanzHaus in ihren Bann zu ziehen. Wassertropfen fallen auf ein Stahlblech und werden von einem Eimer am Boden aufgefangen. Im Dunkeln sitzt Morales auf einem Schaukelstuhl und bewegt sich leicht, entgegen dem Rhythmus der Wassertropfen, vor und zurück. Es scheint, als würde sie ausharren, umrahmt von zwei Leinwänden, die den Wellengang eines tiefblauen Meeres zeigen.

Kräftige, aggressive Bewegungen

„Niemand kommt weg von hier und so verbringt man eben die Zeit in einem Schaukelstuhl. Sie musste weinen, als sie von einer alten Frau erfuhr, die 108 Jahre lebte – immer von Wasser umgeben“, sagt eine Stimme aus dem Off. Nachdem Morales nach endlosem Herumrutschen auf dem Schaukelstuhl mehr „aufgestolpert“ als aufgestanden ist, füllt sie mit ihren kräftigen, akrobatischen und fast schon aggressiven Bewegungen den ganzen Raum. Und kann sich trotzdem nicht ganz lösen, als würde etwas an ihr ziehen, sie zurückhalten, wodurch sie das Gleichgewicht verliert. Kaum eine Sekunde blickt Morales in dieselbe Richtung, schon reißt sie ihren Kopf wieder herum. Dann werden ihre Ausführungen schwächer und kraftloser.

Sie zwingt sich zu lachen und tanzt, wie man es wohl als Tourist in Kuba gerne sehen würde: mit Temperament, Lebensfreude und viel Hüftschwung, dazu die kubanischen Rhythmen des Komponisten Michio Woirgardt. Und der Zuschauer muss sich fragen: Ist es das, was er von der Insel erwartet, von der Morales fliehen wollte, weil sich trotz Revolution nichts geändert hatte? 

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