Kultur

Schutz vor dem Inferno

Zeugnisse einer eher melancholischen Lebenshaltung bietet die Zusammenstellung von Motetten für sechs und acht Stimmen Orlando di Lassos. Mit dem Titel „Inferno“ gekrönt, versteht sich dieses Album denn auch als Ausdruck eines Menschseins, das sich seiner Verletzbarkeit stets bewusst ist – und das die brennende Klage zugleich mit der Zuversicht um göttliche Erhörung verknüpft. Ein passender Soundtrack für unsere Gegenwart? Die Cappella Amsterdam unter der Leitung von Daniel Reuss vollzieht die schwermütige Stimmung im Ausdruck authentisch nach; darunter leiden hin und wieder Dynamik und Spontaneität. Allerdings überzeugen chorische Transparenz und Intonationssicherheit, aber auch die beweglichen Schwerpunktverlagerungen auf einzelne Stimmen. Das „Inferno“ mag unter uns sein – mit dieser Musik kann es uns nichts mehr anhaben.

Inferno. Cappella Amsterdam (harmonia mundi)

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