Kultur

Zeitgenössische Musik Ungewöhnliche Aufführungen und Unterwasser-Klänge begeistern die Besucher der Donaueschinger Musiktage

Schwarzwälder Bollenhut trifft Kuckucksuhr

Archivartikel

Schon mal einem Konzert unter Wasser gelauscht? Ganz normal auf den Donaueschinger Musiktagen, dem bedeutendsten Festival für Neue Musik: Hier wird vieles gewagt und experimentiert. Für das Hörerlebnis unter Wasser stieg sogar der Trompeter, der zuvor in Bademantel am Beckenrand gespielt hatte, in das Schwimmbadbecken und gab Trompetenklänge von sich.

Die Zuhörer im Becken lauschten mit beiden Ohren unter Wasser, denn auch unter Wasser wurden Klänge abgespielt: Klänge von Perkussionsinstrumenten, die Künstlerin Kirsten Reese selbst an einem See unter Wasser aufnahm und von Lautsprechern unter Wasser abspielen ließ, teils verfremdet und bearbeitet.

Alte Filmausschnitte gezeigt

Den rund 10 000 Besuchern des Festivals im beschaulichen Donaueschingen im Schwarzwald mit rund 23 000 Einwohnern wurden insgesamt 20 Uraufführungen und sechs Klanginstallationen geboten. Viel Zuspruch ernte das Stück „Trio“ für Big Band, Chor, Orchester und Video von Simon Steen-Andersen, welches auch den Orchesterpreis des SWR-Symphonieorchesters erhielt. Aus Archivaufnahmen des SWR wählte der Komponist Videoausschnitte von Proben und Konzerten aus. Die alten Filmausschnitte, die meist nur wenige Sekunden dauerten und zum Beispiel das Spielen eines Akkordes zeigten, wurden im Wechsel mit „echten“ Orchesterakkorden des SWR Symphonieorchesters gespielt oder von der SWR Bigband aufgegriffen.

Dabei war die Tonhöhe manchmal genau die gleiche wie im Film, manchmal schaukelten sich die Akkorde abwechselnd chromatisch nach oben. Untertitel der Dirigentenansagen in den Filmausschnitten wurden vom SWR Vokalensemble manchmal synchron gesprochen, manchmal übersetzt. Alles in allem ein lustiges Stück!

Als beliebt erwies sich der Abend im „Donauparadies“, einer Performance in einer geräumigen Hotelbar von Michael Rauter, Aliénor Dauchez und Bastian Zimmermann. In chilliger Atmosphäre bei Wasserplätschern und orangenem Scheinwerferlicht traten Musiker zwischen ausgestopftem Reh, einem Fuchs und Palmenblättern im Schwarzwälder Bollenhut neben einer Kuckucksuhr auf. Dazu konnten es sich die Besucher beispielsweise beim Cocktail „Donaublau“ gut gehen lassen. Klänge der anderen Art gab es im Stück „Wächter“ von Eva Reiter. Aus dem SWR-Symphonieorchester und dem Deutschen Kammerchor wurde ein „Rohrorchester“: Alle Musiker erhielten statt ihres üblichen Instruments ein Rohr, eine Art Boomwhacker. Sie schwenkten die Rohre über dem Kopf, erzeugten leise Schwebungen, pusteten hinein. Geheimnisvoll klang es, es gab ein Rauschen und Sausen. Mehrere Bassflöten komplettierten das Klangereignis. Die Festivaltage boten ein umfangreiches Klangerlebnis und werden in den Besuchern sicherlich noch eine Weile nachklingen.

Zum Thema