Kultur

Klassik SWR Vokalensemble singt Brahms und Hosokawa

Schwelgen in Klangpracht

Archivartikel

Ins Schattenreich der Todessehnsucht und der Trauer um unerfüllte Liebe hat ein Konzert in der Heidelberger Jesuitenkirche geführt, das so gar nicht zur lässigen Gestimmtheit eines lauen Sommerabends passen wollte. Doch die Vokal- und Instrumentalwerke von Johannes Brahms, die ausnahmslos auf dem Programm standen, bergen im bittersüßen Schmelz ihrer Harmonien eben auch romantisch verklärte Trostversprechen.

Dabei lassen sich hinter den heiteren Tonarten durchaus Abgründe wahrnehmen, wie im vertonten Gedicht „Der Gärtner“ von Joseph von Eichendorff, in dem ein lyrisches Ich froher Dinge scheint – aber eben nur scheint. Der Frauenchor des SWR-Vokalensembles setzte die ersten vier Brahms-Gesänge unter der Leitung von Marcus Creed mit hellen, erdiger Trauerschwere entschwebenden Stimmen in Szene. Ein Harfen- und Hörnertrio stattete den Gesang mit ätherisch-zarten Farbtönen aus.

Der gut 30-köpfige gemischte Chor des SWR-Vokalensembles ließ auch in den drei Brahms-Motetten dank fließender Artikulation und dynamischer Phrasierung schwelgerische Klangpracht erblühen, freilich begünstigt von der wohldosiert halligen Akustik der Jesuitenkirche. Mit drei Gesängen zu biblischen Texten entfaltete der ausgezeichnete Chor eine hymnische Kraft, die alle Grabesstimmung vertrieb.

Scharfe Intervalle

Auch mit den beiden Gesängen des Japaners Toshio Hosokawa („Die Lotosblüte“ und „Ave Maria“) mit ihren scharfen Mikrointervallen und fließenden harmonischen Metamorphosen fand der Chor zu geradezu bestürzender Ausdrucksintensität. Franz Bach setzte hierbei wertvolle Akzente am Marimbaphon sowie mit sanften Gong- und Glöckchenschlägen.

Markus Uhl brachte an den beiden Kuhn-Orgeln der Jesuitenkirche mit Choralvorspielen und einem Präludium mit Fuge die himmelwärts strebende Melancholie im Werk Johannes Brahms’ dank einem konzis artikulierten, weich registrierten und ausdrucksbewussten Spiel zum Vorschein. Mit zwei temperamentvollen Zugaben zweier japanischer Komponisten bestätigte das vorzügliche SWR-Vokalensemble noch einmal seinen hohen künstlerischen Rang. Ein denkwürdiges Konzert, dessen Erlös der Marienhaus-Stiftung für den Freundeskreis des Kurpfälzischen Museums Heidelberg zugedacht war.