Kultur

Mozartfest Würzburg Monodrama „Pygmalion“ bei der Nachtmusik aufgeführt

Schwere Kost traf auf Leichtfüßiges

Archivartikel

Es gehört zur Nachtmusik des Würzburger Mozartfests anscheinend mit dazu, wie die namensgebende Serenade Nr. 13 in G-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart selbst: das Bangen um das Wetter. Als am Donnerstag gegen 21 Uhr die neue Geschäftsführerin Katharina Strein vor das Publikum im Hofgarten der Residenz trat, um die zu Tausenden gekommenen Besucher zu begrüßen, stimmte sie nicht nur in den Abend ein, sondern schilderte exakt diese Zitterpartie, die den ganzen Tag lang die Organisatoren begleitet hatte: Auf Nummer sicher gehen und in den Saal der nahe gelegenen Hochschule für Musik auswandern oder es drauf ankommen lassen und draußen bestuhlen. „Nummer sicher“ bedeutet in diesem Fall aber auch: Nur die Inhaber von Platzkarten kommen zum Zug. Die zahlreichen Promenadenplätze mit günstigeren Karten für Besucher, die sich das Konzert gemütlich auf einer Wiese im illuminierten Hofgarten anhören wollen, können nicht vergeben werden. Was auch immense finanzielle Einbußen der Gesamtproduktion bedeutet.

Aber die Nachtmusik-Macher hatten eben trotz einer schwülen Wetterlage an diesem Tag auf „kein Regen“ gepokert – und gewonnen. Auch wenn nahezu den ganzen Abend Blitze am Himmel über der Residenz jagten und es ab und zu auch grollte: das Wetter hielt, der musikalische Genuss blieb ungetrübt von Nässe.

Die alt bekannte Mozart-Serenade, die von der Capella Augustina leichtfüßig intoniert wurde, bildete den Auftakt zum Hauptstück des Abends, das man getrost als schwere Kost bezeichnen kann: „Pygmalion“, das Monodrama in einem Akt nach Jean-Jacques Rousseau wurde vom bekannten Synchronsprecher Christian Brückner rezitiert, der hierzulande vor allem als Synchronstimme des US-Schauspielers Robert De Niro bekannt ist.

Melodram

Der Monolog wurde durchsetzt durch die Musik des böhmischen Kapellmeisters und Komponisten Georg Anton Benda, ein Zeitgenosse Mozarts, der dem etwa halbstündigem Melodram die passenden Töne angedeihen ließ. Während Brückner in die Rolle des antiken Bildhauers Pygmalion schlüpfte, der sich fortwährend selbst bedauert, weil er sich in die selbst geschaffene Statue Galathée verliebt hat und an der Ausweglosigkeit dieser Leidenschaft zu verzweifeln droht, gingen die zarten Töne, die das Orchester dazu einstreute, etwas unter. Was weniger an dem auf historische Aufführungspraxis konzentrierten Ensemble unter Andreas Spering lag, sondern an der Tatsache, dass der Text des französischen Philosophen alles andere als leichte Abendunterhaltung an einem gemütlichen Sommerabend ist, sondern in die Tiefe der Seele hinab führt. Als Konzertmeisterin Chouchane Siranossian am Ende der Statue Galathée eine Stimme verlieh und die armenisch-französische Geigerin im mädchenhaften deutschen Akzent dem Steingebilde Leben einhaucht, ist das quasi ein „Happy End“ – aber ein plötzliches, das den Zuhörer nahezu geplättet zurückließ.

Aufbauende Sinfonie

Umso aufbauender danach Joseph Haydns Sinfonie Nr. 82, die auch als Teil der um 1785 entstandenen „Pariser Sinfonien“ bekannt ist. Die vier Sätze des knapp halbstündigen Stückes boten die komplette Koloratur dessen, was man an der „Wiener Klassik“ liebt – wohlklingende Sätze, bei denen der Komponist sein ganzes Können voll ausspielt und das Orchester wie ein Instrument benutzt.

Gerade beim „Vivace assai“ überschriebenen Finale wurde dann auch der gute Klang, den die Tonmischer aus den Boxen kitzelten, deutlich, als die Bässe wummerten und die Höhen brillierten.

Nicht selbstverständlich, ein Orchester über Mikrophon wie einen homogenen Klangkörper erscheinen zu lassen.

Das ließ das immer ungestümer werdende Blitzgewitter am Himmel vergessen und entließ nach Pygmalions Rede noch in einen wohligen Abend.