Kultur

Klassik Neujahrskonzerte mit Mannheimer NTM-Orchester und spanischer Sopranistin Montserrat Marti in Ludwigshafen

Schwungvoller Jahreswechsel

Archivartikel

Mit Konzerten im Nationaltheater Mannheim und im Ludwigshafener BASF-Feierabendhaus startete die regionale Kultur in das Jahr 2020.

Am Schluss spielte die gut aufgelegte Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz im BASF-Feierabendhaus als letzte Zugabe den Radetzky-Marsch, das Publikum klatschte kräftig mit – würdiges Finale eines gelungenen Neujahrskonzerts.

Solche Konzerte haben ihre eigenen Gesetze: Es geht um möglichst gute Unterhaltung, um das, was man leichte Klassik nennt, auch um eine launige Moderation. Die hatte Beat Fielmann, der Intendant der Staatsphilharmonie, übernommen, und er amüsierte sich und das Publikum mit Gedanken zu einer Fön-Frisur, die irritierenderweise zum mächtigsten Politiker der Welt wurde.

Das hört sich alles ziemlich lustig an, war es aber für die Programm-Verantwortlichen nicht wirklich: Die spanische Sopranistin Montserrat Marti, Tochter der großen Montserrat Caballé und Solistin des Abends, war kurz vor dem Konzert ernsthaft erkrankt, weshalb sich kritische Anmerkungen zu ihrer sängerischen Leistung verbieten; nur so viel: ihre Piano-Kultur etwa bei der großen Micaela-Arie aus „Carmen“ nötigte auch an diesem Abend hohen Respekt ab.

Spanisch geprägtes Programm

Einen Teil des vorgesehenen Programms konnte sie immerhin, obwohl zweifellos nicht in stimmlicher Höchstform, absolvieren. In hohem Maße reizvoll waren vor allem die Arien aus einigen Zarzuelas, einer spezifisch spanischen Variante des Musiktheaters, die bei uns viel zu wenig bekannt ist und die Montserrat Marti mit sehr viel Temperament und, ja, auch mit einem Schuss Erotik ausstattete. Die vorgesehenen Lieder Manuel de Fallas aber musste die Sängerin absagen.

Stattdessen spielte die Staatsphilharmonie das wohl bekannteste Werk des spanischen Komponisten Amadeo Vives, den Fandango aus seiner Oper „Doña Fancisquita“, was perfekt zum Motto des Abends „Eine spanische Nacht“ passte. Denn auch alle anderen Stücke des Abends hatten das spanische Lebensgefühl zum Thema, angefangen von George Bizets „Carmen“-Ouvertüre und Eduard Strauß’ „Carmen-Quadrille“ über Manuel de Fallas Tanz aus der Oper „La vida breve“, Émile Waldteufels „España“ und Johann Strauß’ „Spanischem Marsch“.

Auch wenn vielleicht nicht alles hundertprozentig präzise war: unter der temperamentvollen und inspirierenden Leitung von Josep Caballé-Domenech – auch er ein Spanier – entstand spür- und hörbare spanische Lebenslust, nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Publikum. Das sind keine schlechten Startbedingungen für das neue Jahr.

Die Raketen sind verraucht und der Sekt verstoffwechselt. Beste Voraussetzungen also, um das Neujahrskonzert im Mannheimer Opernhaus zu genießen. Natürlich voll besetzte Plätze, alle freuen sich und sind in bester Stimmung. Denn auch das Programm „Jacques Offenbach & Friends“ verheißt Schwung und originelle Stücke, hat doch der Oper(etten)betrieb den Kölner und aus tiefstem Herzen Wahlfranzosen gelegentlich vernachlässigt und in seiner kompositorischen Kunst verkannt. 2019 Jahr war Offenbach-Jahr, so manche Publikation ist erschienen und einige Promotionen wurden erfolgreich absolviert.

Komödiantischer Bariton

Das sehr gut aufgelegte Orchester „unseres“ Nationaltheaters darf in leicht aufgelockerter Kleiderordnung Platz nehmen, und Dirigent Marc Rohde lebt die Stücke und belebt den Klangkörper. Dann erleben wir wunderschöne Gesangssolistinnen und einen komödiantisch auftretenden Bariton mit raumgreifender Stimme: Joachim Goltz, Mannheimer Urgestein und designierter „Bloomaul“-Ordensträger.

Er singt „Diamante scintille“, die Schurkenarie, präsent und bestens gelaunt. Wie er auch später als Postbote oder Hausmeister die bezaubernde Amelia Scicolone als „Olympia“-Puppe per Stechkarre auf die Bühne schieben wird. Die hat glanzvolle Koloraturen drauf, und wenn sie stockt, wird er ihr Uhrwerk aufziehen, oder schrille Töne ölen. Das ist außerordentlich witzig gemacht und fordert Beifallsstürme heraus.

Was also wollen wir mehr? Natürlich Martiniana Antonie mit ihrem sauber und gefühlvoll geführten Mezzo in der Arie der Angèle von Daniel-François-Esprit Auber hören oder beide dann wieder im Offenbach-Duett „Belle nuit“, und alle drei Solisten in „La vie parisienne“. Das hat Pep, und das Publikum ist hingerissen. Aber das Orchester spricht zudem seine eigene Sprache. Egal ob mit weichem Blech und süffigen Streichern bei Émile Waldteufel oder in raffinierten Offenbach-Ouvertüren und natürlich bei Meyerbeer oder Bizet: Dessen Vorspiel zum dritten Carmen-Akt ließ hören, wie meisterhaft das Orchester feine Farben hervorzaubern kann.

Durch den Abend führte mit angenehm diskretem Charme: Alexander Grün, der neue Chefdisponent Oper. Er hat so Recht mit seiner Einschätzung, dass Jacques Offenbach „quicklebendige Musik“ geschrieben hat.

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