Kultur

Literatur Jury nominiert vier Frauen und zwei Männer für die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2020 / Auszeichnung am 12. Oktober

Sechs Romane über „große, allgemeingültige Fragen“

Archivartikel

Vier Frauen und zwei Männer stehen auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2020. Sie überzeugten „durch ihre sprachliche Ausdruckskraft und formale Innovation“, sagte Jurysprecherin Hanna Engelmeier: Einige widmeten sich biografischen und zeitgenössischen Themen, andere schöpften aus unerwarteten Quellen oder historischen Stoffen – am Ende gelangten sie alle „zu großen, allgemeingültigen Fragen“.

Nominiert sind Bov Bjerg („Serpentinen“) und Thomas Hettche („Herzfaden“). Deniz Ohde („Streulicht“) schaffte es mit ihrem ersten Roman in die Auswahl. Mit Dorothee Elmiger („Aus der Zuckerfabrik“), Anne Weber („Annette, ein Heldinnenepos“) und Christine Wunnicke („Die Dame mit der bemalten Hand“) sind vier Frauen nominiert. Die Siegerin oder der Sieger wird am 12. Oktober verkündet.

In „Serpentinen“ geht es um Leben und Tod. Bjerg schreibe „tief soziologisch und gleichzeitig sehr literarisch“, aber auch „mit überraschendem Witz“, sagt die Jury. Das Buch erzählt von einem suizidgefährdeten Vater und seinen Sohn.

Ohde gelang mit ihrem ersten Roman der Sprung auf die Shortlist. Geboren wurde sie 1988 in Frankfurt, heute lebt sie in Leipzig. „Streulicht“ handelt von einer Arbeiterfamilie und ihrem Wunsch, dazu zu gehören: Zu einem Leistungssystem, das Chancengleichheit nur verspricht, aber nicht halten kann. „Ohde schreibt mit bestechender Klarheit über einen Teil der Gesellschaft, der sonst viel zu selten zu Wort kommt.“

Auch Weber wurde am Main geboren, in Offenbach. Heute lebt sie in Paris. „Annette, ein Heldinnenepos“ verwandle das reale Leben der 96-jährigen Résistance-Kämpferin Anne Beaumanoir in „ein grandioses Stück Literatur.“

„Die Dame mit der bemalten Hand“ erzählt „Migration einmal andersherum“. Es geht um einen deutschen Forschungsreisenden, der 1764 auf einer indischen Insel strandet, von Einheimischen gesund gepflegt wird. Wunnickes Buch sei „souverän und absolut verführerisch“. „Aus der Zuckerfabrik“ ist das Experimentellste auf der Shortlist. Elmiger schreibt „in stark essayistischer Form, eher als Collage“. Ausgehend von der Frage, wo der Zucker her kommt, geht es um Kolonialismus.

Hettches „Herzfaden“ setzt der Augsburger Puppenkiste ein literarisches Denkmal. „Von einem verzauberten Dachboden aus führt er uns in die Welt der Holzmarionetten, in den Zweiten Weltkrieg, in die westdeutsche Nachkriegszeit, um Verlust von Unschuld und dem Ende der Kindheit.“ 

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