Kultur

Burgfestspiele Axel Schneider verabschiedet sich mit „Cyrano de Bergerac“ aus Jagsthausen

Sehenswerte neuromantisch-heroische Komödie

Nach sechs Jahren als Künstlerischer Leiter der Burgfestspiele Jagsthausen verabschiedet sich Axel Schneider in deren 70. Spielzeit als Regisseur mit einer Inszenierung der neuromantisch-heroischen Komödie „Cyrano de Bergerac“ von Edmond Rostand.

Der Titelheld dieses Theaterstücks, das 1897 in Paris uraufgeführt wurde, heute aber nicht mehr so häufig gespielt wird, war ein Zeitgenosse Molières und eine der originellsten Figuren des französischen Barocks. Er war Schriftsteller und Soldat, einerseits ein gefürchteter Haudegen, andererseits ein empfindsamer Schöngeist. Er schrieb utopische Romane und zarte Liebesgedichte. Er diente bei der Gascogner Gardekompanie und reiste als wissensdurstiger Gelehrter durch Europa. Im Sommer 1655 ist er 36-jährig in Paris gestorben.

Die von ihm selbst verfasste Grabinschrift charakterisiert den französischen „Ritter von der traurigen Gestalt“, dem sein Landsmann Edmond Rostand ein literarisch-dramatisches Denkmal gesetzt hat: „Musiker und Reimedrechsler,/Physiker, Philosoph und Fechter,/Zungenfertiger Schlagwortdrechsler,/Mondreisender ohne Sack und Pack,/Liebhaber auch – jedoch ein schlechter!/Hier ruht und wartet des Jüngsten Gerichts/Cyrano Savinian Herkules de Bergerac,/Der alles gewesen und dennoch nichts“.

Szenen, vielfach historisch belegt, aus dem Leben dieses Unikums, das sich wegen seiner zu groß geratenen Nase von der Natur schlecht behandelt fühlte, machen Edmond Rostands Komödie „Cyrano de Bergerac“ aus, die als Oper und Musical vertont sowie verfilmt wurde, Grundlage für ein Ballett bildete und zu den bedeutendsten Werken der neuromantischen Bühnendichtung gehört.

Edmond Rostands „Cyrano de Bergerac“ ist die Geschichte Cyranos, des Gardisten und Poeten mit der langen Nase. Es ist die Geschichte Cyranos, des in seine Cousine Roxane Verliebten, der dem jungen Christian de Neuvillette den Weg zu ihr ebnet, der die beiden heimlich trauen lässt und der Roxane aus dem Krieg als Christian Briefe schreibt. Und es ist schließlich die Geschichte Cyranos, des auf die Erfüllung seiner Wünsche Verzichtenden, der die jung verwitwete Roxane jahrelang im Kloster besucht und ihr das Neueste aus Paris berichtet, der aber bis zuletzt verschweigt, wer eigentlich der Briefschreiber war, in den sie sich verliebt hatte.

Ideales Ambiente

Die Götzenburg zu Jagsthausen bietet das geradezu ideale Ambiente für die romantische Tragikomödie, sodass Bühnenbildnerin Sonja Zander nur ein paar Tische, Bänke, Strohballen und Waschzuber vor die architektonische Kulisse zu stellen und eine Treppe vom Burghof zum Wehrgang zu bauen braucht. Der damaligen Zeit entsprechend kostümiert und uniformiert Volker Deutschmann die Darsteller. Regisseur Axel Schneider arrangiert sie auf der Szene, lässt sie gehen und stehen, sich miteinander unterhalten und den Text seiner eigenen Bühnenfassung aufsagen. Von viel spannender Dramatik kann ebenso wenig die Rede sein wie von einer besonders individuell differenzierten Charakterisierung der einzelnen Rollen. Garniert wird das Ganze durch Schießereien und Malcolm Ransons sogenannte Kampfchoreographie, wobei auch der „Fightcaptain“ Rainer Wolke eine Rolle spielt.

Die Titelrolle ist mit Franz-Joseph Dieken besetzt. Dessen Cyrano de Begerac zeigt aber nicht die ganze Breite und Tiefe dieses Mannes. Denn im Grund glaubt man ihm von allen Facetten der Person, die auf seinem Grabstein verzeichnet sind, nur den „Fechter“, allenfalls noch den „zungenfertigen Schlagwortdrechsler“ und den „schlechten Liebhaber“. Er ist ein Aufschneider und vor allem Schreier, der sich mit Verve in seine Aufgabe stürzt, die Wörter herauspresst, unter Volldampf stehend, wenig sensibel agiert und kaum eine Wandlung in seinem (Gefühls-)Leben zeigt.

Dagegen ist Nadja Wünsche eine zunächst unnahbare, dann verliebte, gefühlvolle, immer graziöse, zuletzt verhärmte, ihrem Schicksal ergebene Roxane, die sich nicht von ungefähr dem von Alexander Sasanowitsch verkörperten Christian zugewandt hat. Den Grafen Guiche zeichnet Christopher Krieg als einen im Krieg, aber nicht im Frieden erfolgreichen Offizier.

Die anderen Darsteller treten gleich in mehreren Rollen auf. Dabei profilieren sich vor allem Henning Karge als humorvoller Bäcker Rageneau, Ulrich Gall als stets durstiger und auch betrunkener Hauptmann Carbon sowie Valerija Laubach als Duenna. Dazu kommen Johan Richter als Le Bret, Gulshan Sheikh als Lise, Rainer Wolke als Kadett und Christian Bock als Valvert sowie nicht wenige Laienschauspieler in den verschiedensten Rollen.