Kultur

Musiktheater Wiederaufnahme von „Werther“ bejubelt

Sehr starke Besetzung

Archivartikel

Schon vor Jahren war über Jules Massenets „Werther“ in dieser Zeitung zu lesen, er habe „schönste Voraussetzungen für einen Stammplatz in der Ruhmeshalle der Mannheimer Oper“. Eine kluge Entscheidung, David Mouchtar-Samorais psychologisch ausgefeilte Inszenierung aus dem Jahr 2001 in Heinz Hausers abstrakt-poetischer Ausstattung wieder ins Repertoire aufzunehmen. Vor allem, wenn solch ideale Protagonisten zur Verfügung stehen.

Mochte Irakli Kakhidze in der Titelrolle anfangs noch zu sehr mit dem Edelmetall seiner Spitzentöne prunken, so fand er doch bald in die Rolle des vor Todessehnsucht Trunkenen hinein, dessen lyrische Kantilenen immer wieder in exaltierte Ausbrüche mündeten. Stark die Todesszene.

Was für eine wunderbare Charlotte ist Jelena Kordic, Mannheims Neuzugang im Mezzofach! Das kostbare Timbre ihrer großvolumigen Stimme, perfekte Intonation, klare Höhen und die Intensität ihrer Darstellung, vor allem in der zentralen Briefszene – da stimmte alles.

Typgerecht bis in die Nebenrollen

Ideal besetzt sind gleichfalls Charlottes ungeliebter Gatte Albert mit dem fabelhaften Nikola Diskic und ihre liebenswerte Schwester Sophie mit der bezaubernden Amelia Scicolone, typgerecht sämtliche Nebenrollen und die entzückende Kinderschar.

Einen gewichtigen Anteil an dem zu Recht bejubelten Abend hatten Wolfgang Wengenroth und das glänzend disponierte Nationaltheaterorchester, die Massenets expressive Partitur zu starker Wirkung brachten. W. B.