Kultur

Klassik Musik aus Frankreich in Feierabendhaus Ludwigshafen

Sensible Erkundungen

Archivartikel

Schon der Anfang verlangt schwindelfreies Musizieren. Aber geigerische Höhenflüge sind für Lena Neudauer kein Problem. Schließlich bewältigt sie Édouard Lalos „Symphonie espagnole“, hinter der sich ein mit technischen Schwierigkeiten gespicktes Violinkonzert verbirgt, im Ludwigshafener BASF-Feierabendhaus so souverän, konzentriert, virtuos und makellos schön im Ton, dass man die Begeisterung des Publikums leicht nachvollziehen kann.

Reizvolle Gegenüberstellung

Begleitet wird sie bemerkenswert flexibel von der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und dem Dirigenten Nabil Shehata, der manchmal zu überraschend aggressiven Dynamisierungen tendiert. Lalo kann man pointierter, farbiger spielen. Doch nach den zwei reichlich entspannt klingenden Stücken Erik Saties (aus dem Zyklus „Gymnopédies“), die Claude Debussy feinsinnig instrumentierte, war das immerhin ein kräftiger programmatischer Kontrast, der sich im weiteren Verlauf des Abends mit der Gegenüberstellung von Debussys „Prélude à l’après-midi d’un faune“ und César Francks sinfonischer Dichtung „Psyché“ fortsetzen sollte.

Seit der Flöte des „Fauns“ und dem Englischhorn der „Nuages“ atmet die Musik anders, behauptete Pierre Boulez. Was die Staatsphilharmonie unter Nabil Shehata davon hören lässt, erweist sich rasch als ein hochsensibler Umgang mit fließenden Konturen und motivischen Details. Solche Phasen der bewussten Verknüpfung von kompositorischer Freiheit und Logik kennt auch César Franck. Doch bei ihm wirkt das alles traditionell gefestigter, dramatischer und bietet der Staatsphilharmonie zahlreiche Möglichkeiten, ihr ausgezeichnetes Klang- und Bewegungsverständnis optimal umzusetzen. hub