Kultur

Jazz Schlagzeuger Ralf Gustke präsentiert mit seiner Band im Mannheimer Ella & Louis das Album „Flying Days“

Sich stetig verdichtende Rhythmen

Archivartikel

Es ist immer wieder erstaunlich mitzuerleben: Wie gesegnet an Jazz- und Rockmusik-Talenten von überregionalem Rang die Region um Rhein und Neckar doch ist! Ob hier geboren oder zugezogen, spielt dabei keine Rolle, belegt der letztere Fall als Abstimmung mit den Füßen die Attraktivität des Standorts.

Zum Beispiel die Schlagzeuger: Christian Scheuber in Heßheim bei Frankenthal wäre zu nennen, sodann Daniel Mudrack, der Ex-Freiburger in Mannheim, und ganz gewiss Dirik Schilgen, aus Deutschlands Norden in die Metropolregion gekommen. Der Vierte heißt Ralf Gustke; wie Scheuber ein „Eingeborener“, aus Heidelberg stammend.

Dass er zur illustren Riege der einheimischen Supertrommler gehört, war Insidern der Szene seit langem schon klar. Gustke ist langjähriger Schlagzeuger der Söhne Mannheims, fungiert als musikalischer Direktor der Soloband von Xavier Naidoo, und er hat nicht von ungefähr auch mit einer internationalen Berühmtheit, der amerikanischen Jazz- und Soul-Sängerin Chaka Khan, zusammengearbeitet.

Ohne allerdings bisher groß in den Vordergrund zu treten. Auf die Idee eines Band-Projektes unter eigenem Namen brachte ihn, erzählt er in einer Bühnenansage, erst ein Kollege, Bassgitarrist Claus Fischer, am Rande eines gemeinsam bestrittenen Instrumenten-Workshops. Das Ergebnis war Ralf Gustkes erste Solo-CD, Ende 2017 herausgekommen unter dem Titel „Flying Days“.

Das Repertoire des Albums stellte er nun vor bei einem Auftritt im Mannheimer Club Ella & Louis. In Quartettformat wie auf der CD, aber in zum Teil veränderter personeller Besetzung mit Claus Fischer am Bass, dem kurzfristig eingesprungenen Xaver Fischer an den Keyboards sowie Lorenzo Ludemann an Trompete und Flügelhorn.

Was die Vier zu bieten haben, ist im Wesentlichen Fusion Jazz nach dem Vorbild der Bands von Billy Cobham oder Herbie Hancock; dabei sehr wohl eigenständig konzipiert, alle Themen bis auf zwei sind selbst komponiert. Nicht immer sehr wagemutig, denn manches erinnert an gefällig harmlosen „Smooth Jazz“.

Brillante Improvisationen

Anderes hat knackigen rhythmischen Biss, und vor allem in den Improvisationen des nicht allein technisch brillanten Bläsersolisten Ludemann blitzt bisweilen melodische Finesse auf.

Einmal sogar dringt sein Zusammenwirken mit hier mal sehr schrägen Sounds von Keyboarder Xaver Fischer in elektronische Tiefen-Bereiche nach bester Krautrock-Tradition vor. Etwas mehr Experimentiergeist in der Richtung könnte der Gruppe kreative Glanzlichter aufsetzen.

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