Kultur

Nachruf Amerikanische Opernsängerin Jessye Norman ist im Alter von 74 Jahren gestorben – und stand einst auch mit NTM-Star Franz Mazura auf der Bühne

„Sie hatte etwas Göttliches an sich“

Archivartikel

Aus dem Schwärmen kommt Franz Mazura kaum heraus. Sie sei ein absoluter Stern am Himmel gewesen, sagt der Weltstar aus Edingen-Neckarhausen auf Anfrage dieser Zeitung zu Jessye Norman. Die Sopranistin ist am Montag in New York im Alter von 74 Jahren gestorben. Mit Mazura stand sie mehrfach auf der Bühne – etwa in Wagners „Walküre“ an der New Yorker MET. Ursache für ihren Tod waren ein septischer Schock und Multiorganversagen infolge von Komplikationen nach einer Rückenmarksverletzung, die die oft ausgezeichnete und vierfache Grammy-Gewinnerin 2015 erlitten hatte.

Nach Leontyne Price und der „schwarzen Venus“ Grace Bumbry war sie eine der ersten Sopran-Diven mit afrikanischen Wurzeln. Für Mazura ist das auch der Grund für die dunkle Stimme mit der „wunderbar satten Tiefe“, wie er sagt. Mazura war mit Norman befreundet und lobt ihre „warme Persönlichkeit, das schönste Gesicht, das man sich vorstellen“ könne. „Sie hatte etwas Göttliches an sich“, so der 95-jährige Bassist.

Wer Norman gehört hat, erlebte eine außerordentliche Künstlerpersönlichkeit. Sie spannte ungeheuer perfekte Phrasen und beherrschte in fast allen Musiksprachen die perfekte Deklination, sogar im Fach zarter Schubertlieder verstand man jedes Wort. Und die US-Amerikanerin aus Augusta (Georgie) sang nicht nur Mainstream-Repertoire. Zwar war sie für ihre kräftigen und wohl klingenden Wagner-, Verdi- und Strauss-Partien bekannt, aber sie widmete sich auch abseitigeren Werken von Françis Poulenc, Leos Janácek, Béla Bartók und auch dem Jazz.

Ihre Geschwister James Norman und Elaine Sturkey erklärten: „Wir sind ebenso stolz auf ihr humanitäres Engagement im Kampf gegen Hunger, Obdachlosigkeit, für Ausbildung der Jugend sowie Kunst- und Kulturbildung.“ Sie wuchs als eines von fünf Kindern in einer musikalischen Familie auf. Schon als Kind hörte sie Opern im Radio. „Ich erinnere mich, dass ich gedacht habe, dass Operngeschichten nicht anders als andere Geschichten sind: Mann trifft Frau, sie verlieben sich, sie können aus irgendeinem Grund nicht zusammen sein und meistens geht es nicht gut aus“, so Norman in ihrer Autobiografie.

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