Kultur

Literatur regional „Der gelbe Akrobat“ versammelt Lyrik

Sinn für Gedichte

Unter den literarischen Genres ist die Lyrik die leiseste und konzentrierteste. Um ihre öffentliche Wahrnehmung ist es auch deshalb nicht zum Besten bestellt. Lyrikbände erscheinen oft in bescheidenen Auflagen, ihre Leser sind indes meist regelrechte Liebhaber, die umso intensiver lesen. Sie wissen um die besondere Qualität der Texte, die sich vorschnellen Festlegungen beharrlich entziehen – und die eben auch deshalb der lauten, geschwätzigen Welt geradewegs entgegenstehen.

Zeitgenössischer Lyrik etablierter Autoren wird freilich oft auch vorgehalten, verstiegen und schwer verständlich zu sein. Dieser Eindruck ist jedoch nicht zuletzt Konsequenz aus dem erwähnten Charakter der Gedichte. Interpretierende Kommentare zu einzelnen Texten können da weiterhelfen. Der neue Band „Der gelbe Akrobat 3“ leistet genau das; er versammelt 60 Gedichte und versieht sie mit Kommentaren. Und durch die Auswahl der lyrischen Texte gibt der Band – wie schon in den beiden Vorläufern – einen fundierten Überblick über die aktuelle deutschsprachige Lyrikszene und lädt auch zu Entdeckungen ein.

Kenntnisreich kommentiert

Die Herausgeber aus Heidelberg, der Schriftsteller Michael Buselmeier und der Literaturkritiker und Essayist Michael Braun, setzen fort, was sich bewährt hat und bei Lesern wie der Kritik viel Lob erfahren hat. Großteils sind es neue Gedichte, die hier zusammengetragen wurden, mit Thomas Kling ist indes auch ein Autor vertreten, der schon im Jahr 2005 gestorben ist – ein Autor freilich, der zu den markantesten Stimmen der neueren Lyrik zählt.

Ein „Who is who“ der neuen Lyrik findet sich hier: Silke Scheuermann ist ebenso vertreten wie Jan Wagner, neben etwa Michael Krüger oder dem im vergangenen Jahr gestorbenen Günter Herburger. Berücksichtigt wurden auch der aus Ludwigshafen stammende Dieter M. Gräf sowie Carolin Callies aus Ladenburg – und Herausgeber Buselmeier selbst, der auch lyrische Qualitäten bewiesen hat. Das bescheinigt ihm Braun so geschliffen und kenntnisreich, wie es auch für die anderen Kommentare dieser lesenswerten Anthologie gilt.