Kultur

Klassik „Musiksalon“ mit Arne Roßbach und Elias Corrinth

Souverän auch, wenn’s sperrig wird

Archivartikel

Das jüngste Kammerkonzert war symptomatisch für die immer erfolgreichere Reihe „Musiksalon“ am Mannheimer Nationaltheater. Obwohl beim derzeitigen hohen Probespiel-Standard – die Bewerberzahlen um Geigenstellen sind dreistellig – nur noch erstklassige Instrumentalisten die Aufnahme in ein A-Orchester schaffen, hätte der Geiger Arne Roßbach, als 12. der Ersten Geigen hierarchisch weit hinter Konzertmeistern und Vorspielern, woanders kaum eine Chance auf ein Solorecital. Der „Musiksalon“ steht hier auch Künstlern aus der zweiten Reihe offen, wenn sie ein solch spannendes Programm gemeinsam mit einem adäquaten Klavierpartner präsentieren können.

Arne Roßbach (Violine) und Elias Corrinth (Klavier) hatten für ihre Konzertmatinee drei Sonaten „in Zeiten des Ausnahmezustandes“ (also beider Weltkriege) ausgewählt. Die recht kantige Tonsprache der Violinsonate g-Moll von Claude Debussy (1862 – 1918), dem dritten und letzten Teil eines Sonatenzyklus, hat so gar nichts von jenem leichtfüßigen und durchsichtigen Impressionismus, mit dem der Hörer sogleich ‚Debussy’ assoziiert (auch wenn’s dann gelegentlich von Ravel ist). Die beiden Künstler spielten das anspruchsvolle Werk mit der gleichen Souveränität, dem gleichen Feuer wie die folgende, nicht minder sperrige Sonate von Leos Janácek (1854 – 1928), deren balladesker Tonfall im langsamen Satz recht schroff mit dem folgenden Allegretto kontrastiert, dessen Klaviereinleitung naiv wie ein Kinderlied daherkommt.

Ergriffene Stille

Schon im Kopfsatz Andante der Violinsonate f-Moll opus 80 von Sergej Prokofjew (1891 – 1953) wurde offenbar, dass auch die Bildersprache des russischen Meisters eher verstörend wirkt. Es ist überliefert, dass Prokofjew sich unendlich schwer tat mit der Komposition, die ihn von 1938 bis 1949 beschäftigt haben soll. Gespenstisch huschende Motive über dem schreitenden Klavierbass im Kopfsatz Andante; selbst in der trügerisch melodischen Zweistimmigkeit barg sich ein schmerzlicher Unterton. Nach ein paar Sekunden ergriffener Stille erhob sich starker Applaus für ein mutiges, perfekt studiertes und engagiert gespieltes Programm.