Kultur

Klassik „Agnus Dei“ von Egil Hovland in der Johannis-Kirche

Spannende Begegnung mit der Zeitlosigkeit

Archivartikel

Hand aufs Herz: Der Name des Komponisten Egil Hovland (1924 - 2013) dürfte den meisten Konzertbesuchern unbekannt gewesen sein. Dabei gehört der Norweger zu den produktivsten und anerkanntesten seiner Generation.

Stilvielfalt und ein besonderes Gespür für kirchenmusikalische Aspekte wurden und werden ihm nachgesagt. Und die Vorstellung seiner „Agnus Dei“-Vertonung (op. 167) unter Leitung von Kantor Niklas Sikner wurde in der Johanniskirche Mannheim-Lindenhof zur spannenden und eindrucksvollen Begegnung.

Sensibler Gesang

Denn der gut vorbereitet und sehr engagiert dem Stück zugetane Kammerchor an Johannis stellte die kompositorische Zeitlosigkeit der vier Teile heraus, in der sich eine gewisse Herbheit, die dem Norden gerne nachgesagt wird, sensible Gesangsbehandlung und eine neo-romantische Tonsprache zu einer eindringlichen Form verbinden. Dazu kommen die Umspielungen und dialogischen Momente zwischen Chor und Fagott, denen Kristian Oma Rønnes eine ebenso souveräne wie angemessene und einfühlsame Prägung gab. Dieses „Agnus Dei“-Werk darf zweifellos als stimmiger zeitgenössischer Beitrag gehört werden, und es ist schön, dass Niklas Sikner und sein Kammerchor das Werk in so angemessener Weise präsentierten.

Vertrackte Fuge

Ergänzt wurde die Begegnung mit Egil Hovland durch Orgelwerke von Sweelinck (dessen vertrackte, erstaunliche „Fuga chormatica“) und Byrd, beide an der kleineren, seitlichen Altarorgel gespielt, sowie „Präludium und Fuge in D-Dur“ von Bach an der Hauptorgel: Für dieses Großwerk hatte sich Niklas Sikner viel vorgenommen, als er sehr offensiv registrierte.

Einige zusätzliche Zwischenfarben verträgt das Werk wahrscheinlich auch. Doch der virtuose Touch der Fuge und die deutliche Einbettung eines Choral-Themas im Präludium beeindruckten.

Als freundliches Extra wurden die Besucher an einem durchwärmten Sommertag vorab mit einem erfrischenden Getränk begrüßt. Am Ende sehr viel Anerkennung und Beifall.