Kultur

Salzburger Festspiele Österreichs Vorzeigefestival steht mit Anna Netrebkos Duo-Abend noch ein Höhepunkt bevor, die Bilanz fällt aber jetzt schon überwiegend positiv aus

Spannendes Programm mit wenigen Ausrutschern

Archivartikel

Echte Sternstunden sind selten, auch bei einem Hochklasse-Festival wie den Salzburger Festspielen. Doch diesmal waren sich Publikum und Kritik einig: Romeo Castelluccis bildmächtig-verrätselte Neuinszenierung von Richard Strauss’ Oper „Salome“ war das Ereignis der am 30. August zu Ende gehenden Festspielsaison. Vor allem der sängerische Furor der litauischen Sopranistin Asmik Grigorian in der Titelrolle, die als eine der schwersten der Opernliteratur gilt, löste Begeisterungsstürme aus.

Manche Kommentatoren raunten, dass sich mit Grigorian der Triumph von Anna Netrebko wiederholt habe, die 2002 bei ihrem Salzburg-Debüt als Donna Anna in Wolfgang Amadeus Mozarts „Don Giovanni“ Furore machte. Dieses Jahr war sie allerdings nicht in einer Opern-Neuproduktion zu erleben. Sie gibt zum Abschluss des Festivals jedoch einen Duo-Abend mit italienischen Opern-Schmachtfetzen, zusammen mit ihrem Ehemann, dem Tenor Yusif Eyvazov.

Salzburg 2018 – das war ein Festival der starken Frauen. Ob es sich um die großartige Hanna Schwarz handelte, die in Peter Tschaikowskys „Pique Dame“ einen gefeierten Auftritt hatte, oder Kate Lindsey und Sonya Yoncheva als Nerone und Poppea in Claudio Monteverdis „L’incoronazione di Poppea“. Im Schauspiel brillierten die freche Sophie Rois in Frank Castorfs sechsstündiger Inszenierung von Knut Hamsuns Roman „Hunger“ und Valery Tscheplanova in Ulrich Rasches Neuinszenierung des antiken Dramas „Die Perser“ von Aischylos.

„Zauberflöte“ fällt bei Kritik durch

Von der Kritik fast durchgängig als Flop gewertet wurde Lydia Steiers überladene und etwas altbackene Deutung von Mozarts „Zauberflöte“ zur Eröffnung des Opernprogramms. Das lag auch an dem zuweilen willkürlich anmutenden Dirigat von Constantinos Carydis und der Fehlbesetzung der Bass-Rolle des Sarastro mit dem Bariton und Liedsänger Matthias Goerne.

Alles andere trug zumindest den Stempel „sehenswert“: Der frühere Regie-Berserker Hans Neuenfels ließ mit einer klassisch-altmeisterlichen Sicht der „Pique Dame“ einstige Theater-Skandale vergessen. Der belgische Tanzkünstler Jan Lauwers berührte mit einer eigenwilligen und anrührenden Tanztheater-Version von Monteverdis „L’incoronazione“ und der polnische Regisseur Krzysztof Warlikowski mit seiner psychologisierenden Sicht der Oper „The Bassarids“ von Hans Werner Henze. dpa