Kultur

Spektakulär: Mit Bastel-Utensilien auf dem Vibrafon

Archivartikel

Sie ist eine Musikerin ohne Scheu vor Experimenten. Im Gegenteil. Wenn es darum geht, das Klangspektrum ihres Vibrafons zu erweitern, greift die aus Belgien stammende Wahl-Berlinerin Els Vandeweyer nicht etwa zu elektronischen Soundfiltern. Nein, bei ihr kommen alle möglichen Haushalts- und Bastelutensilien auf die Klangplatten.

Ob kleine, als Schälchen genutzte Gongs, asiatische Plattenglocken, Kettchen, Blechdeckelchen, Plastikbecher - Vandeweyer hat für alles eine musikalische Verwendung. Dabei ist die agile Perkussionistin hinsichtlich ihrer Stilistik nicht festgelegt. Hier Kinder-Theatermusik wie das eigenwillig interpretierte Märchen vom „Rotkäppchen“, dort die verfremdeten Versionen von „All Of Me“ oder Eddie Harris’ „Freedom Jazz Dance“, irgendwie bringt Vandeweyer alles unter.

Beim diesjährigen Enjoy-Jazz-Festival gastiert Els Vandeweyer im Heidelberger Karlstorbahnhof und begeistert ihre Zuhörer mit einer Experimentalmusik, die von wild bis zart das gesamte musikalisch-stilistische Spektrum abdeckt. Dabei entfernt sich ihr Spiel jedoch nie zu weit von identifizierbaren Harmonien oder Melodien, die sie gelegentlich auch mal aus ihrem Instrument herausprügelt. Dann ist ihr Spiel durchaus auch optisch spektakulär.

Ob sie die spieltechnischen Möglichkeiten ihrer Ideen dabei ganz ausnutzt, bleibt unbeantwortet. Wenn sie beispielsweise ihre Spezialhandschuhe mit kleinen Schlegelköpfen an den Fingerspitzen benutzt, um damit nur wild über ihr Instrument zu fahren, fragt sich der geneigte Zuhörer doch vielleicht, wie es wohl klänge, wenn die Flämin mit ihren flinken Händen klarer definierte Akkorde kombinierte.

In Heidelberg hatte sie ihr Programm auf nur eine Stunde angelegt, sodass sie nach der ersten Zugabe „La Fin du Theatre des Marionnettes“ aus ihrer Produktion „Debut“ nur noch eine Improvisation präsentiert - aber das ist ja ihre eigentliche Stärke.

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