Kultur

Würzburger Mozartfest Außergewöhnliches Konzert im Kaisersaal der Residenz zu erleben

Spieltechnische Akkuratesse

Ein in vielerlei Hinsicht außergewöhnliches Konzert mit anschließendem Staatsempfang veranstaltete das Mozartfest im Kaisersaal der Residenz. Überwiegend unbekanntere, im Konzertleben weniger präsente Kompositionen kamen zur Aufführung.

Das hervorragend disponierte Kammerorchester Basel leitete Heinz Holliger, der als Oboist sich einen berühmten Namen machte. Was dieser Musiker aus dem Orchester an Schwung, subtiler Detailarbeit, spürbarer Hingabe, spieltechnischer Akkuratesse und tänzerischer Eleganz herausgeholt hat, kam den vorgetragenen Tonschöpfungen optimal zugute. Franz Schuberts Sinfonien Nr.2 B-Dur und Nr.3 D-Dur feierten als opulentes Klanggeschehen ein wahres Fest der Sinne und des Vergnügens.

Beide zählen zu den Jugendwerken des frühreifen Teenagers, der mit hörbarem Enthusiasmus im Umkreis von Haydn, Mozart und Beethoven Bedeutendes geschaffen hat. Stilistische Anklänge an jenes Dreigestirn sind unüberhörbar. Die Abhängigkeit von den Vorbildern der Wiener Klassik ist überdeutlich, sodass das Schubert-Eigene an diesen Werken leicht aus dem Blick gerät. Erstaunliches Selbstbewusstsein kürt das frühe sinfonische Schaffen des hauptsächlich als Liedkomponist genialen Meisters.

Tänzerisch beschwingt, heiter und unbeschwert, melodienselig, rhythmisch markant und blühend in den Tonfarben, so lassen sich die Eindrücke der einzelnen Sätzen charakterisieren. Nichts wurde an erbaulichen Seelenbewegungen eingebüßt. Spannend waren die Darbietungen allemal, die weit über ein nur notengetreues Nachspielen hinausragten.

Mitreißend und ohne aufgesetzte Affekte erlebten die Zughörer die souveräne kompositorische Tatkraft des damaligen Wiener Internatszöglings Schubert. Es handelt sich bei diesen Sinfonien nicht um ein harmloses Probieren eines Jugendlichen. Holligers drängende, pulsierend-unruhige Lesart war im positiven Sinne aufregend.

Als weiteres Ereignis vernahm man das ebenfalls viel zu selten aufgeführte Violinkonzert d-Moll von Robert Schumann. Solistin war die mit ausgeprägtem Sensus in die schwelgerische Romantik vertiefende Geigerin Isabelle Faust. Was diese Künstlerin mit fliegenden Fingern an Noblesse aus ihrer Violine hervorzauberte, mit welcher eleganten Bogentechnik sie das Violinkonzert zum Blühen brachte, verhalf ihr zu dem anerkannten Triumph.

Angeregt wurde dieses Konzert von Joseph Joachim, der sich an Schumann gewandt hatte mit der Bitte, „den armen Geigern, denen es, außer der Kammermusik, so sehr an Erhebendem für ihr Instrument fehlt, aus Ihrem reichen Schatz ein Werk ans Licht zu ziehen.“

Isabelle Faust verstand Schumanns Solokonzert nicht als bloße virtuose Partie, sondern als eine emotional tiefschichtige Tonschöpfung, dargeboten in bewunderungswürdiger Personalunion von Solistin und Dirigent.

Wie schön klang das intime Melos des langsamen Satzes, wie tänzerisch angeregt das brillante Polonaisen-Rondo. Der bezwingende Ton, nicht gegen die Saiten gebürstet, von leidend bis jubilierend, unbeschwert, gesanglich und konturenreich markierte die Grundzüge ihres Spiels.