Kultur

Kabarett Lars Reichow beschwört die „Freiheit!“

Spötter und Mahner

Archivartikel

Wirkt er an diesem Abend im Capitol ein wenig lustlos, oder ist ihm eine Laus über die Leber gelaufen? Jedenfalls erlaubt sich Lars Reichow, der immerhin für sich in Anspruch nehmen darf, den Begriff Musikkabarett auf eine höhere Stufe geliftet zu haben, einige kleine Aussetzer. Wahrscheinlich irritiert von der nicht bis wenig vorhandenen, farblichen Illuminierung des hinteren Vorhangs. Da moppert er ein wenig herum, zieht aber auch daraus Lacher. Denn Reichow ist ein ebenso witziger, wie intelligenter und auch nachdenklicher Entertainer.

Im Wohnmobil durch Norwegen

Er hat etwas gegen Dumpfbacken, die seiner Vorstellung von „Freiheit!“, so der Titel des Bühnenprogramms im Capitol, zuwiderlaufen, wenn er einen hinterwäldlerischen Lokalpolitiker oder Vereinsboss in Sachen Ausländer räsonieren lässt. Den „Klimaschützer“ Christian Lindner knöpft er sich vor, der dazu berufen sei, den „FDP-Wählerberg abzutragen“. Lokalspott gehört ebenfalls zu den Reichow-Lockerungsübungen, wenn er Ludwigshafen und Heidelberg dazu hernimmt, um die Schönheit Mannheims zu preisen, gipfelnd im verfremdeten Trump-Zitat „Make Schönau great again“. Na, dann frisch ans Werk, zumal ihm die Trump-Pressestelle mitgeteilt hat, dass 11000 Zuschauer ins Capitol geeilt seien. Ja, so ist das mit den Fakten und Fake-News.

Gute alte Bekannte begegnen einem im Programm „Freiheit!“, etwa die Wohnmobil-Urlaubsnummer durch Norwegen, oder seine Parodie über das französische Chanson. Dass er über die musikalische Einfalt des Rap bittere Häme ausgießt, versteht sich von selbst bei einem so genialischen Musiker. Lars Reichow ist Spötter und Mahner zugleich. BE

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