Kultur

Schwetzinger Festspiele II Sinfonien und Violinkonzerte

Spontaneität und Spielwitz

Die trockene Akustik im Kubus des Rokokotheaters verspricht wenig klangliche Brillanz. Doch die Orchesterakademie des SWR-Symphonieorchesters lässt die frühen Werke Mozarts fröhlich perlen wie Riesling-Sekt zum Schwetzinger Spargel. Das junge Ensemble hat mit dem Briten Nicholas McGegan freilich einen Dirigenten am Pult, dessen leidenschaftliche Zeichengebung Spontaneität und Spielwitz provoziert.

Der Orchesterleiter versteckt seine Begeisterung für Mozarts Schwung und Esprit keineswegs hinter britischem Understatement. Mit hurtigen Tempi, einem leichten Vibrato sowie einer luftigen und federnden Artikulation setzen die Streicher die Sinfonien D-Dur (KV 19) und A-Dur (KV 201) in Szene. Hörner und Oboen fügen sich in ein homogenes, rundes Klangbild, das einen weitgehend unbesorgt ausschreitenden Mozart präsentiert.

In Gil Shaham hat Nicholas McGegan einen Bruder im Geiste gefunden. Denn auch der israelisch-amerikanische Geiger wendet seine innersten Seiten nach außen und bestätigt seine Rolle als antizipierender, sich als integraler Bestandteil des Ensembles auffassender Solist. Die Tutti-Passagen zu Beginn der Ecksätze der beiden Violinkonzerte A-Dur (KV 219) und B-Dur (KV 207) spielt Shaham beherzt mit.

Gleichwohl setzt er sich mit dem romantischen Vollklang seiner Solostimme vom Orchester ab, was mitunter den Eindruck erweckt, zwei unterschiedlichen Wesenheiten Mozarts auf einmal zu begegnen. Ein schillerndes Komponistenporträt allemal, und ein Rondo aus einem weiteren Violinkonzert Mozarts als Zugabe, das im Rokoko-Theater die Funken sprühen lässt. Musik hat eben in erster Linie mit Leidenschaft zu tun. urs