Kultur

Tagungen Mannheimer IDS wendet sich an Öffentlichkeit

Sprache, Macht und auch Moral

Dinge und Sachlagen zu bewerten, entspricht der Wissenschaft in der Regel weniger; sie sieht ihre Aufgabe vielmehr in nüchternen Beschreibungen. Da macht auch die Sprachwissenschaft keine Ausnahme. Das Mannheimer Institut für Deutsche Sprache (IDS) weicht von dieser Regel allerdings auch ab. Zwei Tagungen in den kommenden Wochen beschäftigen sich mit aktuellen gesellschaftspolitischen Phänomenen, die auch bewertet sein wollen. Und weil dies von durchaus allgemeinem Belang ist, wollen die Fachwissenschaftler nicht unter sich bleiben: Interessierte Mitbürger sind eingeladen, teilzunehmen und sich ihre eigenen Gedanken zu machen.

Heidrun Kämper, Sprachwissenschaftlerin und daneben auch Mannheimer SPD-Gemeinderätin, hat die unter dem Titel „Diskurs – ethisch“ stehende Veranstaltung am Donnerstag und Freitag, 15. und 16. November, organisiert. Als Anlass für die Themenstellung nennt sie im Gespräch mit dieser Zeitung den gezielten „sprachlichen Verstoß von Rechtspopulisten gegen den allgemeinen Wertekonsens“ – wenn etwa bestimmten Personengruppen eine niedrigere Wertigkeit zugemessen oder über den Völkermord an den Juden nicht mehr in angemessener Form gesprochen werde. Die sogenannte Hate Speech (Hass-Sprache) im Internet findet ebenfalls Berücksichtigung. Das thematische Feld geht aber noch weiter, widmet sich historischen Aspekten oder der Berechtigung einer allgemeinen Sprachkritik überhaupt.

Politische Korrektheit als Thema

Ähnlichen Fragen geht im IDS im Quadrat R 5 die Tagung „Sprache – Macht – Gewalt“ am Donnerstag und Freitag, 22. und 23. November, nach. Der mehrfach auch von Politikern kritisierten „Verrohung der Sprache“ wird hier in verschiedenen Aspekten auf den Grund gegangen. So widmet sich die Mannheimer Sprachwissenschaftlerin Konstanze Marx der Rolle sprachlicher Gewalt in Online-Spielen; ein anderer Fachvortrag beschäftigt sich mit „Hass und Hetze gegen Muslime“.

Am Anfang steht am Donnerstagabend, 22. November, ab 19.30 Uhr eine öffentliche Podiumsdiskussion. Unter dem Titel „Political correctness – Nutzen oder Gefahr“ diskutieren neben IDS-Direktor Henning Lobin und Heidrun Kämper etwa auch Walter Serif, ein Redakteur dieser Zeitung, über das brisante Thema. Wer sich für die Veranstaltungen interessiert, sollte sich für die Tagung am 22. und 23. November per E-Mail anmelden (sprache-macht-gewalt@ids-mannheim.de). Für die frühere Veranstaltung ist keine Anmeldung erforderlich. Nähere Informationen über die Inhalte sind auf der Homepage des Instituts zu finden, und zwar gleich auf der Startseite (www.ids-mannheim.de).