Kultur

Oper Wiederaufnahme von „Die Liebe zu drei Orangen“

Stars machen Musik in der Manege

„Gebt mir meine Tropfen!“, schluchzt der Prinz. „Hypochondriotische Verschleimungen“ sind ja auch wirklich eine ernste Sache. Aber letztlich ist der Thronfolger nur einer jener komischen traurigen Prinzen, die von keinem (zwanghaft) glücklichen Ende verschont bleiben. Sie kommen bloß in Märchen und Satire vor (und hin und wieder auch in England). Bei Sergej Prokofjew ist der Prinz bekanntlich Hauptfigur in seinem frühen Werk „Die Liebe zu drei Orangen“, das Igor Strawinsky wohl ein wenig zähneknirschend, jedenfalls bezogen auf das 20. Jahrhundert, als „brillanteste Musikkomödie“ lobte.

Sänger Juraj Holly ragt heraus

Diesem Prinzen kommt auch bei der Wiederaufnahme des Stücks im Nationaltheater eine Schlüsselrolle zu: Sein Sänger Juraj Holly sticht ein Stück weit aus der Aufführung heraus, man sieht ihm gerne dabei zu, wie er sich doch zu komisch schöner Ausgelassenheit emporarbeitet und im Angesicht seiner Prinzessin auch mal echten tenoralen Schmelz auspackt. Und sein „Orangenglück“ Ninetta schwingt sich bei Natalija Cantrak manchmal ebenfalls zu lichten, schwerelosen Höhen auf.

Das war es aber dann mit Opernkulinarik, die hier immer nur ein kurzes Gastspiel geben darf. Die Sänger-Darsteller und ihre Rollen bleiben trotzdem haften: Patrick Zielke durch die pralle Körperhaftigkeit von Stimme und Person, im Mannheimer grell bunten „Opernfilm“ Cordula Däupers waltet er als König wie ein Zirkus-Bär, der manchmal auch -Direktor sein möchte. Ludmila Slepneva als böse Zauberin hat ein walkürehaftes Auftreten. Aber ein ziemlich schickes Äußeres. Während Raphael Wittmer einen wuseligen Truffaldino mit orangenblonden Haaren gibt.

Gute Orchesterleistung

Man könnte viele Individuen nennen, darf aber die Kollektive nicht vergessen – wie den Chor, der seinen Platz in der Manege auskostet. Und mehr noch das Orchester unter Alexander Soddy, das den populären Königsmarsch auf ein enormes XXL-Format empor wuchtet. Schlagwerk und tiefes Blech lassen die Nationaltheater-Fundamente wackeln. Die Sanierungskosten steigen weiter, fürchten wir.