Kultur

Literatur Ausstellung im Museum Haus Cajeth widmet sich dem deutschen Lyriker

Stefan George und seine Jünger

Archivartikel

Seine Gedichte sind programmatisch und behandeln nicht selten die Poesie an sich, etwa wenn es im „totgesagten Park“ gilt, einen Kranz aus Astern, Rosen, Birken und Buchs zu flechten. Auf seine Anhänger übte er einen Zauber aus, der ihn – auch durch eigene Anstrengungen – zum mythisch überhöhten Führer ihres Kreises machte und der heute noch immer durch die deutsche Literatur weht.

Alle Erstausgaben sind zu sehen

Dem damals so reich verehrten und heute ohne Begleitwerk so schwer zugänglichen Stefan George widmet sich bis zum 26. September eine Ausstellung im Heidelberger Museum Haus Cajeth, Haspelgasse 5. „Wer je die Flamme umschritt – Stefan George im Kreise seiner Trabanten“ lautet der zweifach treffende Titel dieser Ausstellung. Zitiert er einerseits einen Gedichttitel Georges, macht er die quasireligiöse Wirkung auf seine Anhänger deutlich, die wie ein Feuer in der Dunkelheit lodert. Zweitens zeigt dieser Titel, dass George ohne seine Anhänger nicht zu denken ist.

Das macht auch Wulf D. von Lucius bei seinem Vortrag „Stefan George und die Bücher“ deutlich. Der bibliophile Professor für Verlagswirtschaft spricht über die prägende Freundschaft Georges mit dem Grafiker Melchior Lechter, der viele seiner Bücher gestaltete und damit maßgeblich zum Erfolg Georges beigetragen habe. Sind in der Heidelberger Ausstellung in 22 Vitrinen alle Erstausgaben sowie weitere Bücher, Manuskripte, Kalligrafien und dergleichen ausgestellt, glaubt man dieser These gerne. Denn kunstvoll sind viele Bücher Georges gestaltet: großformatig, ornamental und mit vielen religiösen Symbolen versehen. Auch wenn der Zahn der Zeit an den Werken nagt – Stockbildungen und Patina verraten das – ist der Glanz dieser Werke noch immer zu erahnen.

Beziehungen in die Region

Doch nicht um die so hinreichend bekannte Gestaltung seiner Bücher geht es in der von Antiquar Thomas Hatry und Hans-Martin Mumm, dem Vorsitzenden des Heidelberger Geschichtsvereins, kuratierten Ausstellung, sondern um Georges Beziehungsnetz, das immer wieder eng mit der Metropolregion verknüpft war. So widmen sich die einzelnen Vitrinen etwa um Heidelberg oder um die Mannheimer Rabbiner-Tochter Anna Schellenberg und ihrer Anstrengung für die Frauenemanzipation.

George, der am 12. Juli seinen 150. Geburtstag feiern würde und für den Heidelberg das Stefan-George-Jahr ausgerufen hat, fasziniert heute also noch immer. Zwar als leichte Brise, aber die ist an heißen Sommertagen bekanntlich besonders erfrischend.