Kultur

Hintergrund Mannheimer Gitarrist hat sich das Leben genommen / Freunde bitten um Spenden, um sein Andenken zu wahren

„Stephan hat für sich entschieden, unsere Welt zu verlassen“

Archivartikel

Mannheim.Die Nachricht vom überraschenden Tod Stephan Ullmanns hat seit Sonntag weit über die Musikszene hinaus viele Menschen erschüttert. Viele fragten mit zunehmender Intensität in den sozialen Medien, woran der grundpositive, mitreißende Sänger im Alter von nur 52 Jahren am Donnerstag gestorben ist. Nachdem seine Kollegen und auch diese Redaktion den Wunsch der Familie respektiert haben, diesbezüglich Stillschweigen zu wahren, haben nun drei Freunde des Gitarristen und Sängers in Abstimmung mit seinen Angehörigen in einer dezenten Online-Botschaft die traurige Geschichte zu Ende erzählt: Stephan Ullmann hat sich das Leben genommen.

Unterzeichnet ist das Schreiben vom Frankfurter Gitarristen und langjährigen Linkedin-Geschäftsleiter Till Kaestner sowie dem Mannheimer Keyboarder Alfred Kritzer und Schlagzeuger Armin Rühl aus Herbert Grönemeyers Band, die mit Ullmann zahlreiche Band- und Studioprojekte betrieben haben. Sie erklären: „In Abstimmung mit der Familie möchten wir Euch aus dem engsten Freundeskreis helfen, die Situation rund um den plötzlichen Tod von Stephan Ullmann besser zu verstehen.“ Dann führen sie aus, dass die Isolation in der Corona-Krise mit dem Freitod ihres Freundes zusammenhängt: „Wir alle kannten Stephan als Quell unfassbarer Energie und Inspiration. Aber auch als einen Menschen, der die Energie dafür aus seinem eigenen Schaffen ziehen musste. Der Applaus, die Bestätigung, die nur echte Menschen, ein echtes Publikum schenken kann. In einer Zeit, die bereits herausfordernd für Stephan war, hat Corona ihm das alles genommen.“ Weiter schreiben sie: „Wenn so einem besonderen Menschen die Energie und die Perspektiven ausgehen, kann auch der Lebenswille erlöschen. Stephan hat für sich entschieden, unsere Welt zu verlassen.“

Werk neu veröffentlichen

Für Familie Ullmann stehe heute eine Sache im Vordergrund: Sein Werk zu bewahren und an seine Kinder weiterzugeben. Das seien vor allem die Rechte an seinen Songs. „Dies ist allerdings nur mit einem finanziellen Aufwand möglich, den die Familie alleine nicht stemmen kann. Daher ruft der engste Freundeskreis euch nun auf, gemeinsam mit uns die Mittel aufzubringen und einen Beitrag zu leisten auf diesem letzten Weg von und für Stephan.“ Spenden können über https://paypal.me/pools/c/8q2IXtUOI4 übermittelt werden.
Spontan signalisierten Dutzende von Menschen, vor allem Musiker, ihre Unterstützung. Im Gespräch mit dieser Redaktion sagte der Wahl-Münchner Kaestner, der zurzeit für die Familie seines verstorbenen Freundes, Nachfragen beantwortet, dass bereits am Mittwoch ungefähr die Hälfte der benötigten Summe zusammen gekommen sei. „Ich kann seinen Tod noch immer nicht fassen. Er war wie ein Bruder für mich“, sagte der lange als Musiker im Mannheimer Raum gefragte Geschäftsmann.
Und macht auf Nachfrage (nachzulesen auch auf Kaestners Facebook-Seite) den Verwendungszweck der Spenden transparent: „Stephan hat nach einer erfolgreichen Zeit als Mitmusiker in der letzten Zeit viel in sein eigenes Werk als Künstler investiert. Gerade die Erstellung und Veröffentlichung seines ersten Albums ,Alles anders’ 2017 hat hohe Investitionen verlangt.“Aufgrund eines Urheberrechtsstreits musste die Platte zurückgezogen werden. „Es geht also auch darum, dass wir sein Werk wieder zugänglich machen können.“ Dem steht ein Schuldenbetrag entgegen, der zustande gekommen sei, weil Albumproduktionen vorab finanziert werden müssen: „Für die Familie wäre das Annehmen der Erbschaft und die Veröffentlichung seines Werks daher zum jetzigen Zeitpunkt ohne unsere Hilfe unmöglich.“

Abschiedsfeier geplant

Sein Album soll in überarbeiteter Form veröffentlicht werden – „wohl mit fünf, sechs der neuen Lieder, an denen Stefan bereits mit Blick auf den Nachfolger gearbeitet hatte“, so Kaestner. Mit Rühl und Kritzer kündigte er „bald eine angemessene Abschiedsfeier für Stephan“ an. Ihre gemeinsame Mitteilung endet mit dem Appell: „Bitte respektiert, dass die Familie Ruhe braucht für diesen schweren Weg. Danke.“

Spenden über https://paypal.me/pools/c/8q2IXtUOI4 

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