Kultur

Literatur Schriftstellerin Terézia Mora erhält den mit 50 000 Euro dotierten Georg-Büchner-Preis / Leiter des Hamburger Literaturhauses Rainer Moritz lobt die Entscheidung

„Stilistisch ausgefeilte Sprache“ als Markenzeichen

Archivartikel

Die Schriftstellerin und Übersetzerin Terézia Mora wird mit dem Georg-Büchner-Preis 2018 ausgezeichnet. Das teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung gestern in Darmstadt mit. Der mit 50 000 Euro dotierte Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland.

Mora bekomme die Ehrung für ihre „lebendige Sprachkunst, die Alltagsidiom und Poesie, Drastik und Zartheit vereint“, heißt es in der Begründung der Jury. „In ihren Romanen und Erzählungen widmet sich Terézia Mora Außenseitern und Heimatlosen, prekären Existenzen und Menschen auf der Suche und trifft damit schmerzlich den Nerv unserer Zeit.“ Schonungslos nehme Mora die Verlorenheit von Großstadtnomaden in den Blick und lote diese aus. Dies geschehe suggestiv, kraftvoll, bildintensiv und spannungsgeladen – mit ironischen Akzenten und analytischer Schärfe.

Mora wurde in Ungarn geboren und wuchs zweisprachig auf. Seit 1990 lebt sie in Berlin. Für ihren Roman „Das Ungeheuer“, den zweiten Band einer Trilogie über das Leben des IT-Spezialisten Darius Kopp, bekam sie 2013 den Deutschen Buchpreis. Der erste Band („Der einzige Mann auf dem Kontinent“) hatte es 2009 auf die Longlist geschafft. 2016 veröffentlichte sie ihren bislang jüngsten Erzählungsband „Die Liebe unter Aliens“.

Außer Romanen und Erzählungen verfasste Mora auch Drehbücher, Theaterstücke und Essays. Sie übersetzte zudem Werke von renommierten Autoren wie dem ungarischen Schriftsteller Péter Esterházy (1950-2016). Sie erhielt bereits eine Reihe bedeutender Auszeichnungen, darunter den Ingeborg-Bachmann-Preis (1999) und den Preis der Leipziger Buchmesse (2005).

Der Leiter des Hamburger Literaturhauses, Rainer Moritz, sprach beim Büchner-Preis von einer „großartigen, überfälligen Entscheidung“. „Ihre Romane und Erzählungen spiegeln seismographisch, was unsere Gesellschaft aufwühlt und von welchen untergründigen Ängsten sie beherrscht wird“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Mora finde dafür eine unverwechselbare, stilistisch ausgefeilte Sprache.

Mit Mora als Büchner-Preisträgerin sei die höchste Ehrung, die eine deutschsprachige Schriftstellerin in Deutschland erfahren kann, „endlich angekommen bei der mehrsprachigen Generation von Autoren, der man allein mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis nicht gerecht wurde“, sagte der Leiter des Literaturhauses Frankfurt, Hauke Hückstädt.

Traditionsreiche Ehrung

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt vergibt die Ehrung seit 1951 an Autoren, die in deutscher Sprache schreiben. Die Preisträger müssen „durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten“. Der Preis wird am 27. Oktober bei der Herbsttagung der Deutschen Akademie in Darmstadt verliehen.