Kultur

Kunst Unter dem Titel „Räume der Anderen“ präsentiert die Villa Streccius in Landau stimmungsvolle Erlebnisorte, die einen Besuch lohnen

Stimmung, Poesie, Erinnerung und Heimat

Was ist ein Raum? Die Frage ist uralt. Sie kennt viele Antworten, aber keine einzig Gültige. Wir können den Raum messen, aber er bleibt immer etwas Unbegreifliches. Mit der Ausstellung „Räume der Anderen“ in der prächtigen Villa Streccius in Landau erforschen nun 16 Künstler das Phänomen des Raumes. Die unterschiedlichsten Positionen von Malerei, Skulptur über Fotografie bis Videoinstallation nehmen den Besucher mit auf eine faszinierende Reise durch stimmungsvolle Erlebnisräume: Immer anders, immer neu!

Die Ausstellung „Räume der Anderen“ ist eine Premiere in der Villa Streccius, denn sie zeigt in zwei aufeinander folgenden Episoden das weite Feld des künstlerischen Raumes: Ein spannender Mix aus renommierter und junger Gegenwartskunst von poetisch verspielt bis zur dynamischen Eruption.

Der aktuelle erste Teil widmet sich nun den sehr sinnlichen und meditativen Interpretationen mit Arbeiten von Dorothée Aschoff (Neustadt/Weinstraße), Isa Dahl (Stuttgart), Edite Grinberga (Berlin), Jochen Hein und Lars Möller (beide Hamburg), Eva Schaeuble (Karlsruhe), Monika Schmid (Freiburg) und Sarah Oh-Mock (Berlin).

Wie von selbst gelingt der atmosphärische Dialog zwischen Kunst und der historischen Architektur der Städtischen Galerie Villa Streccius aus dem Jahr 1893, die einst das Wohnhaus des königlichen Notars Heinrich Streccius war.

Man tritt ein, und schon steht man mitten in der lichtdurchfluteten Rotunde der Villa, in der sich wie ein sanfter Flügel der filigrane „Baldachin“ von Monika Schmid herabsenkt. Mit jedem Lufthauch erzittern die winzigen Elemente aus Vliesstoff und erinnern an zarte Schneeflocken, die vom Himmelszelt fallen. Wunderschön!

Stoff zum Träumen

Eine Ausstellung mit ganz viel Stoff, aus dem die Träume sind. Auch die großformatigen Raummeditationen von Edite Grinberga – ihre stillen, hellen Zimmer, in denen der Mensch ausgespart ist – sind Projektionsflächen von Gefühl und Vorstellung. Bei Isa Dahls dynamischem Raumgeflecht „Eben still“ bleibt alles in der Schwebe: Geronnene Zeit? Innehalten vor dem endgültigen Zerfall fester Bindungen und Ordnungen? Der Betrachter darf für sich entscheiden.

Im Prachtraum der Villa, in der eine schwere Kassettendecke assoziativ an hanseatisches Kaufmannswesen vergangener Zeiten erinnert, zaubern Bootsmetaphern (Dorothée Aschoff) und der karge „Steinstrand“ (Lars Möller) bewegende Vanitas-Bilder. Wieder stellt sich die Frage nach dem Raum und man begreift, dass er eine grandiose Totalkategorie darstellt, die alle Sinne des Menschen umfasst: Raum ist Gefühl und Stimmung, Raum ist Poesie und Schönheit, Raum ist Erinnerung und manchmal sogar Heimat!

Pittoresker Zerfall architektonischer Traumkulissen ist das reizvolle Foto-Thema der Pfalzpreisträgerin Sarah Oh-Mock. Im Obergeschoss der Villa locken schließlich venezianische Parkidyllen: Begleitet von eleganten Majolika-Figurinen (Eva Schaeuble) darf man hier eintauchen in das flirrende Lichtgeriesel dunkelgrüner Parkschönheit (Jochen Hein). Ein opulentes Fest für die Sinne!